33Arbeit&Wirtschaft 4/2018
siv gegenüber natürlichen Personen be-
günstigt. Die Begünstigung noch weiter 
auszubauen, wäre also nicht nur syste-
matisch fragwürdig, sondern hätte auch 
Auswirkungen auf die Einkommen-
steuer. Denn wenn die Attraktivität der 
Kapitalgesellschaften weiter gesteigert 
wird, wickeln bald alle JournalistInnen, 
HandelsvertreterInnen und sonstigen 
Selbstständigen ihre Geschäfte über 
eine GmbH ab. Und das führt zu ent-
sprechenden Ausfällen bei der Einkom-
mensteuer. Oder es gibt eine vergleich-
bare Begünstigung für natürliche Perso-
nen, was ebenfalls zu entsprechenden 
Ausfällen bei der Einkommensteuer 
führt. 
Begünstigung für Unternehmer
Eine Begünstigung für nicht entnomme-
ne Gewinne in der Einkommensteuer 
gab es übrigens von 2004 bis 2009, ein-
geführt von Schwarz-Blau. Personenge-
sellschaften konnten nicht entnommene 
Gewinne bis zu 100.000 Euro pro Jahr 
mit dem halben Durchschnittssteuersatz 
versteuern, zahlten also nur die Hälfte 
ihres eigentlichen Steuersatzes. Eine Ver-
pflichtung zu investieren gab es nicht. 
Wer das Kapital sieben Jahre am Firmen-
konto geparkt hatte, konnte es steuerfrei 
entnehmen. Eine nette Begünstigung für 
die private Pensionsvorsorge von Unter-
nehmern, die auch von vielen entspre-
chend genützt wurde.
Zurück zum Versprechen der Regie-
rung, wonach eine Senkung der Kör-
perschaftssteuer Unternehmensinvesti-
tionen ankurbeln würde. Nur: Kann 
das funktionieren? In der wissenschaft-
lichen Literatur ist diese ese umstrit-
ten. Grundsätzlich investieren Unter-
nehmen dann, wenn die Nachfrage und 
die Auslastung entsprechend hoch sind. 
Die Steuerbelastung ist nachrangig, so-
lange die Investitionen nach Abzug aller 
Steuern rentabel bleiben. Es ist zu be-
fürchten, dass eine Senkung der Kör-
perschaftssteuer in erster Linie Mitnah-
meeffekte produziert. Das heißt, die 
Unternehmen investieren sowieso, das 
Geldgeschenk nehmen sie dankbar mit. 
Die letztmalige Senkung der Körper-
schaftssteuer 2004 ist ein guter Beleg 
dafür: Nach der Dotcom-Blase schaltete 
die Wirtschaft gerade wieder in den 
Vorwärtsgang, die Steuersenkung 
brachte nur Mitnahmeeffekte und fi-
nanzierte sich so vermeintlich (!) selbst.
Eine Senkung der Körperschafts-
steuer wirkt wie eine Gießkanne, weil 
sie keinerlei Verpflichtungen für die 
Unternehmen voraussetzt: Jeder be-
kommt sie, egal, ob man investiert oder 
das Geld aufs Bankkonto legt. Tatsäch-
lich zeigen Statistiken und Studien, 
dass gerade große Unternehmen heute 
vermehrt in Finanzanlagen statt in Ma-
schinen und Personal investieren. Mit-
unter könnte eine Senkung der Körper-
schaftssteuer dieses Missverhältnis also 
sogar noch weiter verschärfen. Das 
heißt, wenn man einen Investitionsan-
reiz setzen will, dann sollte man das ge-
zielt tun. So bringt beispielsweise die 
Forschungsprämie einen echten Anreiz 
für Unternehmen mit Forschungs-
schwerpunkt, ihre Geschäftstätigkeit in 
Österreich auszubauen, wie das Beispiel 
Boehringer Ingelheim in Wien zeigt. 
Das Ausschütten einer Gießkanne aber 
bringt – abgesehen von den erwähnten 
Mitnahmeeffekten – wohl eher wenig.
Kosten, nichts als Kosten
Die Kosten einer Senkung der Körper-
schaftssteuer lassen sich nur schätzen. 
Das Finanzministerium schätzt die bud-
getären Kosten einer Senkung des allge-
meinen Satzes auf 20 Prozent mit 1,5 
Milliarden Euro. Eine Senkung des Steu-
ersatzes auf nicht entnommene Gewinne 
wäre wegen der oben dargestellten Flucht 
in die Kapitalgesellschaften und der er-
wartbaren Begünstigung in der Einkom-
mensteuer vermutlich noch erheblich 
teurer. Die Arbeiterkammer schätzt die 
Kosten der Maßnahme daher auf 2 bis 
2,5 Milliarden Euro.
Das Körperschaftssteueraufkom-
men im Jahr 2017 betrug nicht ganz 
8,5 Milliarden Euro. Das sind 5,6 Pro-
zent des gesamten Steueraufkommens. 
Damit liegt Österreich unter den 
Schlusslichtern in der OECD. Schon 
jetzt werden über 80 Prozent des 
Steuer aufkommens von Arbeitneh-
merInnen und KonsumentInnen er-
bracht. Eine Senkung der Körper-
schaftssteuer würde dieses Missverhält-
nis weiter verschärfen und dem Staat 
wichtige Einnahmen für die Finanzie-
rung von Schulen, Krankenhäusern 
und Kultureinrichtungen entziehen. 
Eine Selbstfinanzierung über höhere 
Investitionen darf bezweifelt werden.
Schädlicher EU-Steuerwettbewerb
Gegen die Senkung der Körperschafts-
steuer spricht auch ein anderes Argu-
ment: Es gibt keinen Wirtschaftsraum 
der Welt, in dem der Steuerwettbewerb 
so intensiv ist wie in der EU. Noch Mit-
te der 1990er-Jahre betrug der durch-
schnittliche EU-Körperschaftssteuersatz 
ganze 35 Prozent. Heute, mehr als 20 
Jahre später, liegt der Durchschnitt unter 
25 Prozent. Spitzenreiter im negativen 
Sinne ist Ungarn, wo seit 2017 der Kör-
perschaftssteuersatz bei neun Prozent 
liegt. Dieser Steuerwettbewerb ist ruinös: 
Multinationale Großkonzerne zahlen 
kaum noch Steuern, den Regierungen 
fehlt das Geld für wichtige Zukunftsin-
vestitionen. Warum sich Österreich da-
ran beteiligen sollte, bleibt schleierhaft.
Wenn es stimmt, dass die Bundesre-
gierung kein Steuerdumping betreiben 
will, wie sie im Regierungsprogramm 
angekündigt hat, dann sollte sie von ei-
ner Senkung der Körperschaftssteuer 
Abstand nehmen und sich für einen 
EU-weiten Mindeststeuersatz einset-
zen. Die laufende Diskussion über die 
Richtlinienvorschläge der EU-Kom-
mission zur Harmonisierung der Kör-
perschaftssteuersysteme in der EU ist 
ein guter Rahmen dafür. Eine Harmo-
nisierung mit Mindeststeuersatz würde 
nicht nur die Steuertricks der Konzerne 
erschweren, sondern auch dem Steuer-
wettbewerb einen Riegel vorschieben. 
Will man einen wirtschaftlichen Impuls 
setzen, sollte man eine zielgerichtete 
 Investitionsbegünstigung einführen. 
Oder am besten gleich die Arbeitneh-
merInnen entlasten: Das stärkt den 
Konsum und damit die Nachfrage, und 
eine bessere Investitionsbegünstigung 
gibt es nicht. 
Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autoren
dominik.bernhofer@akwien.at
martin.saringer@akwien.at 
oder die Redaktion
aw@oegb.at
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.