tigkeit innerhalb der kapitalistischen Wirt-
schaft und Gesellschaft, aber er hielt es für 
richtig und notwendig, die Verteilungsfrage 
schon vor der erhofften großen Revolution 
zu stellen:
Bürger Weston illustrierte seine The-
orie, indem er euch sagte, dass wenn 
eine Schüssel eine bestimmte Menge 
Suppe enthält, die von einer bestimm-
ten Anzahl von Personen gegessen wer-
den soll, eine Steigerung in der Breite 
der Löffel keine Steigerung der Menge 
der Suppe hervorbringen würde. Er 
muss mir gestatten, diese Illustration 
ziemlich ausgelöffelt zu finden. … 
Bürger Weston … hat vergessen, dass 
die Schüssel, aus der die Arbeiter essen, 
mit dem ganzen Produkt der nationa-
len Arbeit gefüllt ist, und dass es weder 
die Kleinheit der Schüssel, noch die 
Knappheit ihres Inhalts ist, was sie da-
ran hindert, mehr herauszuholen, son-
dern nur die Kleinheit ihrer Löffel.
Karl Marx wurde am 5. Mai 1818 als Sohn 
einer wohlhabenden Familie in Trier geboren. 
Wie der Unternehmer Engels und eine Gene-
ration später Victor Adler in Österreich zähl-
te er zu den wenigen gebildeten Bürgern, die 
Partei für die sich formierende ArbeiterIn-
nenbewegung ergriffen. Was die Gewerk-
schaften betrifft, so maß er diesen vor allem 
auch eine politische Bedeutung zu. Isidor 
Ingwer, der vom NS-Regime ermordete An-
walt der Freien Gewerkschaften, stellte 1908 
seiner Schrift über das „Koalitionsrecht der 
Arbeiter“ folgende Worte von Marx voran: 
1864 initiierte ein im Londoner Exil lebender 
Gelehrter und Revolutionär namens Karl 
Marx die Gründung einer „Internationalen 
Arbeiterassoziation“ (IAA). Diese erste inter-
nationale Plattform der sich gerade erst for-
mierenden politischen und gewerkschaftli-
chen ArbeiterInnenbewegung fasste einen 
bunten Haufen zusammen, wie Friedrich 
Engels, Freund und Kampfgefährte von Karl 
Marx, später schilderte: 
Die Internationale musste ein Pro-
gramm haben, breit genug, um für die 
englischen Trade-Unions, für die fran-
zösischen, belgischen, italienischen 
und spanischen Anhänger Proudhons 
und für die Lassalleaner in Deutsch-
land annehmbar zu sein. Marx, der 
dieses Programm zur Zufriedenheit 
aller Parteien abfasste, hatte volles 
Vertrauen zur intellektuellen Entwick-
lung der Arbeiterklasse, einer Entwick-
lung, wie sie aus der vereinigten Akti-
on und der gemeinschaftlichen Diskus-
sion notwendig hervorgehen musste. 
Einer der Streitpunkte in den Diskussionen 
des IAA-Generalrats war die Rolle von ge-
werkschaftlichen Lohnkämpfen. Einige hiel-
ten Gewerkschaften für überflüssig, sie 
glaubten an eine Art „ehernes Lohngesetz“, 
das besagte, im Kapitalismus könnten die 
ArbeiterInnen über einen Lebensstandard 
bestenfalls knapp an der Armutsgrenze nicht 
hinauskommen. Vor allem der deutsche Ar-
beiterführer Ferdinand Lassalle und der Eng-
länder John Weston vertraten diese These. 
Auch Marx glaubte nicht an echte Gerech-
Das mit der Suppe und dem Löffel 
In der Auseinandersetzung mit einem Anhänger des „ehernen Lohngesetzes“ erklärte 
Karl Marx, dass der Lohnkampf Sinn macht.
Wenn der erste Zweck des Widerstan-
des nur die Aufrechterhaltung der Löh-
ne war, so formieren sich die anfangs 
isolierten Koalitionen in dem Maße, 
als die Kapitalisten sich behufs der Re-
pression vereinigen, zu Gruppen, und 
gegenüber dem stets vereinigten Kapi-
tal wird die Aufrechterhaltung der As-
soziationen notwendiger für sie, als 
die des Lohnes.
Ausgewählt und kommentiert von 
Brigitte Pellar
brigitte.pellar@aon.at
4 Arbeit&Wirtschaft 4/2018
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© ÖGB-Plakatarchiv.
Graffiti auf dem Gelände der Universidad 
Nacional in der  kolumbianischen Hauptstadt 
Bogotá.
Auf diesem Mural in der Universität von 
 Bogotá gießt Karl Marx das zarte Pflänzchen 
der gerechten Gesellschaft, die 200 Jahre 
nach seiner Geburt noch immer ein Fernziel 
geblieben ist. Gerade deshalb hat seine 
 Analyse der Funktionsweise des Kapitalis-
mus trotz zeitgebundener Details ihre 
 Aktualität nicht verloren.
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