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enn Sie diese Zeilen lesen, bin 
ich seit einigen Tagen AK-Prä-
sidentin und damit an der Spit-
ze jener Institution, die man-
chen Vertretern aus Industrie und Wirt-
schaft ein Dorn im Auge ist. Warum das 
so ist, ist schnell erklärt: Die AK steht 
grundsätzlich aufseiten der Arbeitneh-
merInnen. Mehr als fünfhundert Millio-
nen Euro, die für die Mitglieder im Vor-
jahr vor Gericht und außergerichtlich 
erstritten wurden, sprechen da eine sehr 
deutliche Sprache. 
Ziel: An den Rand drängen
Insofern ist es fast logisch, dass auch eine 
Regierung, deren Programm sich stark an 
den Wünschen von Industrie und Wirt-
schaft orientiert, mit der AK nicht viel 
Freude hat. Kommuniziert wird das na-
türlich anders: Da ist dann von Effizienz-
steigerungen die Rede, von Bürokratie-
abbau und einer „schlanken“ Verwaltung. 
Das ist ein sehr geschickter Schachzug: 
Niemand will sich mit Bürokratie her-
umschlagen und effizienter werden ist 
immer gut.
Aber worum es den Gegnern der AK 
wirklich geht, ist, die mächtigste Ver-
bündete der ArbeitnehmerInnen end-
lich an den Rand zu drängen und die 
Gewerkschaftsbewegung zu schwächen. 
Keine lästigen Einmischungen, wenn 
den Menschen zu wenig bezahlt wird, 
keine mahnende Stimme, die Gesetze 
begutachtet und Verbesserungen einfor-
dert, kein starkes Bollwerk gegen den 
generellen 12-Stunden-Tag.
Als Metallerin bin ich mit flexiblen 
Arbeitszeitmodellen bestens vertraut. 
Die Möglichkeit, bei Auftragsspitzen 
länger zu arbeiten, um ein Projekt oder 
eine Produktion fertigzustellen, gibt es 
bereits. Im Rahmen von Betriebsverein-
barungen ist es ohne Weiteres möglich, 
länger zu arbeiten – aber dafür gibt es 
Spielregeln. Lange Arbeitszeiten müssen 
planbar sein, und es muss einen Aus-
gleich geben, entweder in Form von 
Zeit oder Geld.
Es ist außerdem keineswegs so, dass 
in ganz Österreich um 17 Uhr alle den 
Stift fallen lassen. Dort, wo es notwen-
dig ist, wird ja rund um die Uhr gearbei-
tet, Aufträge werden erfüllt, der Kon-
junkturmotor brummt. Also worum 
geht es hier wirklich?
Die Industriellenvereinigung hat nie 
ein Hehl daraus gemacht, dass es um 
eine einseitige Arbeitszeitflexibilisie-
rung geht, nicht darum, auch die Wün-
sche der Beschäftigten zu berücksichti-
gen. Im Regierungsprogramm ist hier 
die Rede von der „Verlagerung auf die 
betriebliche Ebene“. Das klingt eigent-
lich großartig, oder? Aber mit dieser 
Verlagerung ist nichts anderes gemeint 
als das Aushebeln der Kollektivverträge 
und das Rausdrängen der Sozialpartner-
schaft aus Lohn- und Arbeitszeitver-
handlungen. 
„Betriebliche Ebene“ heißt in letzter 
Konsequenz, dass jede und jeder Be-
schäftigte sich seine Arbeitszeit allein 
mit dem Chef oder der Chefin aushan-
deln muss. Das mag ja im einen oder 
anderen Fall auch funktionieren, aber 
wer die Realität der Arbeitswelt kennt, 
weiß, dass im Zweifelsfall immer der 
Chef das letzte Wort hat. Ohne Be-
triebsrat im Rücken wird es auch mit 
der „Freiwilligkeit“ nicht sehr weit her 
sein. Ich finde es daher bemerkenswert, 
dass sich ausgerechnet eine Partei, die 
sich selbst zur neuen „Arbeiterpartei“ 
stilisiert, für den 12-Stunden-Tag stark-
macht. 
Gewinnmaximierung
Dabei zeichnet sich ganz deutlich ab, 
dass mittelfristig kein Weg an einer Ar-
beitszeitverkürzung vorbeiführen wird. 
Die technologische Entwicklung, die 
den Kassier im Supermarkt und die 
Bankbeamtin ersetzt, ist nicht aufzuhal-
ten. Sie bietet aber auch große Chancen, 
wenn wir die Sache richtig angehen.
Konzerne, die sich viel Personal spa-
ren, weil sie auf Technologie setzen, 
können ihre Gewinne maximieren. Es 
wäre also nur fair, würden sie auch einen 
fairen Anteil zum allgemeinen Wohl-
stand leisten. Diesbezüglich findet sich 
allerdings recht wenig im Regierungs-
programm. Macht nichts. Um das ein-
zufordern, gibt es die AK!
Die AK und ihre Gegner
Nicht zuletzt
von
Renate Anderl
Präsidentin der AK Wien und der 
Bundesarbeitskammer©
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