6 Arbeit&Wirtschaft 4/2018
Die Regierung hat die Weichen in Richtung mehr 
Ungleichheit gestellt. Der Sozialstaat soll gekürzt 
werden, statt seine Potenziale als positiver 
Standortfaktor auszuschöpfen und weiterzuentwi-
ckeln. Auf mehr Chancengleichheit in der Bildung 
müssen die jungen Menschen weiter warten.
 
Text: Sonja Fercher | Fotos: Michael Mazohl
nicht nur für Gutgestellte
A
n sich war die Diskussion ja schon 
in eine ganz andere Richtung un-
terwegs. Auf internationaler Ebe-
ne mehrten sich die Stimmen, die 
der alleinigen Ausrichtung der Wirtschaft 
auf die Bedürfnisse von Unternehmen 
oder der Finanzmärkte kritisch gegen-
überstanden. Nicht nur Gewerkschaften 
oder NGOs beschäftigten sich mit der 
Frage, wie ein „gutes Leben für alle“ ge-
währleistet werden könnte. Mit dem viel 
diskutierten Buch „Das Kapital im 21. 
Jahrhundert“ des französischen Wirt-
schaftswissenschafters Thomas Piketty 
wurde die Ungleichheit auf globaler Ebe-
ne diskutiert. Immer mehr Kommenta-
torInnen kamen zu dem Schluss, dass 
diese so nicht mehr tragbar ist, weil sie 
nicht nur für die Menschen, sondern auch 
für die Wirtschaft schädlich ist. 
Diese emen scheinen inzwischen 
wie weggewischt. Die Regierung hat 
stattdessen wieder das fragwürdige Mot-
to „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns 
allen gut“ aus der Mottenkiste hervorge-
holt. Doch geht es Österreichs Wirt-
schaft überhaupt so schlecht, dass zahl-
lose Entlastungen zu Ungunsten der 
ArbeitnehmerInnen vielleicht sogar ge-
rechtfertigt sein könnten? Die Zahlen 
jedenfalls sprechen eine andere Sprache, 
wie Christa Schlager, Leiterin der Abtei-
lung Wirtschaftspolitik der AK Wien, 
festhält: „Österreich ist das viertreichste 
Land der Europäischen Union. Das 
Wirtschaftswachstum wird heuer vom 
Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) 
mit 3,2 Prozent und damit deutlich 
über dem europäischen Durchschnitt 
prognostiziert. Die Forschungsquote 
Österreichs ist mit 3,19 Prozent mittler-
weile die zweithöchste in der EU.“
Außerdem zitiert die AK-Expertin 
eine andere gute Nachricht der Wirt-
schaftsansiedlungsagentur Austrian 
Business Agency, die 2017 kürzlich zum 
Rekordjahr erklärte: 344 Betriebe aus 
dem Ausland haben sich in Österreich 
angesiedelt, der höchste Wert seit deren 
Gründung vor 35 Jahren. „Stabilität, Si-
cherheit und hoch qualifizierte Fach-
kräfte werden hier als wesentliche Fakto-
ren angeführt. Es sind nicht die einzigen 
Erfolgsmeldungen, die derzeit über die 
Gutes Leben
        

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