Full text: Überall ist digital (5)

14 Arbeit&Wirtschaft 5/2018
D
ie Vernetzung von Industrieunter-
nehmen und Wertschöpfungspart-
nern nimmt unter dem Schlagwort 
Industrie 4.0 eine ganz neue Di-
mension an. Das klassische Computer 
Integrated Manufacturing (CIM) aus den 
1980er- und 1990er-Jahren wurde 
schrittweise weiterentwickelt und durch 
hochautomatisierte, miteinander ver-
netzte und mit komplexer Sensortechnik 
ausgestattete Fertigungsroboter abgelöst. 
Brauchen wir in diesen vollautomatisier-
ten Industrie-4.0-Betrieben überhaupt 
noch Beschäftigte und betriebliche Mit-
bestimmung? Welche neuen Chancen 
und Herausforderungen birgt die fort-
schreitende Digitalisierung für die arbei-
tenden Menschen? Im Rahmen einer Ex-
pertInnendiskussion in der Fachbuch-
handlung des ÖGB-Verlags zeigte sich, 
dass Mitbestimmung und gute Beschäf-
tigung in Zeiten künstlicher Intelligenz 
und automatisierter Roboterfertigung 
immer noch unerlässlich sind.
Transformationen
Die Digitalisierung birgt Potenziale und 
Risiken. Neue technische Innovationen 
wie etwa 3D-Druck, kollaborative Roboter 
oder digitale Maschinensteuerung kön-
nen eine neue wirtschaftliche Aufbruch-
stimmung einläuten. Andererseits stellt 
die zunehmende Digitalisierung Unter-
nehmen und ihre Beschäftigten vor große 
Herausforderungen. Denn neue Formen 
der Arbeitsorganisation und -gestaltung, 
die verstärkte Automatisierung von Ar-
beitsprozessen und die zunehmende 
räumliche und zeitliche Entgrenzung von 
Arbeit haben auch weitreichende Auswir-
kungen auf die Möglichkeiten der Mit-
bestimmung. Wie können Arbeitnehmer-
vertreterInnen die Transformation im 
Zeitalter der Digitalisierung mitgestalten 
und welche Entwicklungsperspektiven er-
öffnen sich für die betriebliche Mitbe-
stimmung? Im Frühjahr 2018 diskutier-
ten BetriebsrätInnen und ExpertInnen 
der ArbeitnehmerInnenvertretung über 
Mitbestimmung im Zeitalter der Digita-
lisierung und die Rolle der Beschäftigung. 
Mitbestimmung muss sein
Ausgangspunkt war ein neu erschiene-
nes Buch mit dem Titel „Auf der Suche 
nach Industrie-4.0-Pionieren“, in dem 
der Buchautor Christoph Mandl über 
seine Eindrücke und Erfahrungen von 
acht digitalisierten Industriebetrieben in 
ganz Europa und den USA berichtete. 
Er veranschaulichte, was hinter dem 
Schlagwort „Industrie 4.0“ steckt, wie 
diese modernen Fabriken konkret ausse-
hen und was sie für die Menschen be-
deuten, die darin arbeiten. Es zeigte sich 
in seinen Beispielen, dass bei den digita-
lisierten Industrie-4.0-Betrieben keine 
Jobs verloren gingen. Jedoch waren Um-
schulungen, Weiterbildungen sowie die 
prozessorientierte, menschengerechte 
Mitbestimmung wesentliche Vorausset-
zungen für bessere Arbeitsbedingungen 
und Arbeitsplatzsicherung. Das Fazit 
des Buchautors: „Ohne Mitbestimmung 
geht es gar nicht. Man kann nie solche 
Projekte umsetzen, ohne die Leute ein-
zubeziehen.“
BetriebsrätInnen berichteten über 
ihre praktischen Erfahrungen im Be-
trieb. Denn Industrie 4.0 oder Mitbe-
stimmung 4.0 kann nicht von heute auf 
morgen stattfinden. Sie schilderten ei-
nen schrittweisen Prozess der Digitali-
sierung und die Veränderung von Kom-
petenzprofilen bei der Einführung neuer 
Technologien in ihrem Betrieb. „Dabei 
sollte die Einführung neuer Technologi-
en auch als Chance für menschenge-
rechtere Arbeitsbedingungen gesehen 
werden“, hieß es. Und es sei auch wich-
tig, eine Schnittstelle zwischen den Be-
schäftigten und dem Management zu 
sein. Denn wenn die Organisation nicht 
mitmache, wenn die Beschäftigten 
Angst hätten oder wenn BetriebsrätIn-
nen keine Mitgestaltungsmöglichkeiten 
hätten, dann werde eine digitale Trans-
formation nicht funktionieren – selbst 
mit der tollsten Elektronik oder dem 
lässigsten Roboter nicht. Moderatorin 
Lara Hagen („Der Standard“) kam zu 
dem Schluss: „Das Fazit ist ein sehr 
schönes, wenn man sagt, dass die Mitbe-
stimmung eine Rolle spielt, nämlich, 
Simon Schumich
Abteilung Betriebswirtschaft der AK Wien
 Mitbestimmung 4.0
Die Unternehmensstrategien werden immer stärker digitalisiert. Dabei darf auf die 
Mitbestimmung in Zeiten von Industrie 4.0 nicht vergessen werden.
B U C H T I P P
Christoph E. Mandl:
Auf der Suche nach  
Industrie-4.0-Pionieren  
Die vierte industrielle  
Revolution im Werden
ÖGB-Verlag,  
2017, € 34,90
ISBN: 978-3-99046-271-3
Bestellung:
www.besserewelt.at
        

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