Full text: Überall ist digital (5)

41Arbeit&Wirtschaft 5/2018
dieser Frage von seiner Kenntnis der 
Zustände im Waldviertel aus. Er be-
schreibt die Gegend als spärlich besie-
delt, wofür er auch die De-Industriali-
sierung der vergangenen Jahrzehnte ver-
antwortlich macht. Viele Orte im Wald-
viertel hätten nur eine langsame, teilwei-
se auch gar keine funktionierende Inter-
netverbindung. Das wird von den Ver-
sorgern durchaus zugegeben. Fuchs zi-
tiert Hermann Gabriel, den Unterneh-
menssprecher der A1 Telekom Austria 
AG: „Man muss sagen, dass das Wald-
viertel einerseits aufgrund seiner topo-
grafischen Situation und der dichten 
Bewaldung, andererseits durch die dün-
ne Besiedelung sehr schwierig zu versor-
gen ist.“
Im Ergebnis bedeutet dies, dass die 
Menschen im Waldviertel zwar diesel-
ben Preise für ihre Telekommunikati-
onsversorgung zahlen wie anderswo 
auch, dafür aber geringere Dienstleis-
tungen erhalten. Dieser Zustand erin-
nert an die immer noch schwelende 
Diskussion rund um die sogenannte 
Netzneutralität. Damit ist gemeint, 
dass alle Daten bei ihrer Übertragung 
im Internet gleichbehandelt werden 
müssen. Die großen Internetprovider 
wollen das jedoch ändern. Sie wollen, 
dass man zukünftig für schnelle Daten-
übertragung besonders viel Geld hinle-
gen muss. In den USA wird diese Frage 
gerade in Senat und Repräsentanten-
haus heftig diskutiert. Das Beispiel 
Waldviertel zeigt allerdings, dass auch 
bei (noch) bestehender Netzneutralität 
längst nicht alle Gegenden von den Te-
lekommunikationskonzernen gleichbe-
handelt werden. 
Hier kommt das „Gemeingut“ ins 
Spiel. Trotz der Dominanz der großen 
Konzerne haben sich Elemente der Ge-
meinnützigkeit im Internet erhalten. Mit 
Wikipedia ist eine internationale, nicht 
kommerzielle Enzyklopädie herange-
wachsen. Gewerkschaftsnahe Webseiten 
wie der Blog der Arbeit&Wirtschaft ver-
öffentlichen Beiträge mit der Creative-
Commons-Lizenz, um diese der Allge-
meinheit zugänglich zu machen. All die-
se Initiativen haben sich die Verbreitung 
frei zugänglicher Information über das 
Internet auf die Fahnen geschrieben. 
Nichtkommerzielle Alternativen
Fuchs hält es für absolut vernünftig, hier 
anzusetzen. Für Österreich fordert er: 
„Es wäre durchaus sinnvoll, dass der 
ORF eine Art nichtkommerzielles You-
Tube entwickelt, während ein nicht-
kommerzielles Facebook und nichtkom-
merzielle WIFI-Netzwerke zivilgesell-
schaftlich organisiert sein sollten und 
durch eine partizipative Mediengebühr 
staatliche Hilfen bekommen könnten.“ 
Auf internationaler Ebene gibt es so et-
was Ähnliches bereits. Die „Diaspora 
Foundation“ bietet eine gemeinnützige 
Facebook-Alternative an, die nicht auf 
Datenhandel beruht und anonyme 
Kommunikation ermöglichen soll. Wei-
te Verbreitung fand sie allerdings nicht. 
Für das Waldviertel entwickelt Fuchs 
die Idee lokaler und regionaler Freifunk-
netze, die von „nichtkommerziellen, ge-
meinwohlorientierten, selbstverwalteten 
Betrieben oder Gemeinden“ angeboten 
werden sollen. Hierin sieht er auch eine 
Chance für eine Wiederbelebung der 
Region, die seit Jahren durch starken 
Bevölkerungsrückgang gekennzeichnet 
ist: „Eine kommunalisierte oder selbst-
verwaltete Kommunikationsinfrastruk-
tur kann Teil gemeinnütziger lokaler 
Strukturen in globalen Dörfern sein, die 
es für junge Menschen attraktiv ma-
chen, in Regionen wie dem Waldviertel 
zu leben und tätig zu sein.“ 
Ein ähnliches kommunalisiertes In-
ternetsystem sei im Jahr 2005 infolge 
des Hurrikans Katrina in New Orleans 
in Planung gewesen. Allerdings habe es 
dagegen „großen Widerspruch der lokal 
einflussreichen Telekommunikations-
konzerne“ gegeben, die versucht hätten, 
das Projekt „zu boykottieren“. Ohne 
eine Auseinandersetzung mit den Groß-
konzernen wird es auch im Internet kei-
nen Fortschritt geben. 
Weiterführende Links:
Der Text „Internet, Kapitalismus und periphere 
Entwicklung im Waldviertel“ von Christian Fuchs 
ist als kostenloser Download erhältlich:  
tinyurl.com/y7tobd78
Eine ausführliche Beschreibung der  
verschiedenen Formen von Creative Commons  
findet sich hier:  
creativecommons.org/
Im Februar 2014 beschäftigte sich der  
Fernsehsender 3sat mit den gemeinnützigen 
Wurzeln des Internets:  
tinyurl.com/ydhnygr2
Der Verein „Wikimedia“ fühlt sich der gemein-
nützigen Informationsverbreitung verpflichtet:  
www.wikimedia.at/
Schreiben Sie Ihre Meinung an den Autor 
christian@bunke.info
oder die Redaktion 
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