Full text: Überall ist digital (5)

6 Arbeit&Wirtschaft 5/2018
S
ehe ich richtig?“, fragt ein früherer 
Arbeitskollege ungläubig und zu-
gleich hocherfreut, als er Dietmar 
Kreutzberger an jenem Ort antrifft, 
wo sie beide bis vor Kurzem noch gemein-
sam gearbeitet haben. Es ist gerade einmal 
wenige Wochen her, dass sich der langjäh-
rige Layouter der Arbeit&Wirtschaft in 
den wohlverdienten Ruhestand verab-
schiedet hat. Gut gelaunt und gelöst be-
grüßt der frischgebackene Pensionist seine 
früheren WeggefährtInnen. 
Im Jahr 2005 ist Kreutzberger zum 
ÖGB-Verlag dazugestoßen – zum zwei-
ten Mal. Doch seine Biografie ist so be-
wegt, dass selbst er bisweilen nachdenken 
muss, um die Stationen in der richtigen 
Reihenfolge aufzuzählen. Was sich an sei-
nem Lebenslauf als gelernter Schriftsetzer 
ablesen lässt, sind die enormen Entwick-
lungen und Umbrüche in der Wirtschaft 
und Arbeitswelt der letzten Jahrzehnte. 
„Damit habe ich auch noch gelernt“, sagt 
er lachend, als er ein historisches Bild ei-
nes Setzers mit Bleibuchstaben sieht. So-
wohl die Technik als auch die Arbeitswelt 
haben sich seit seiner Lehre massiv verän-
dert. Zuletzt sorgte die Digitalisierung 
für den momentan größten Umbruch, 
der viele Berufsbilder in seiner Branche 
endgültig verschwinden ließ.
Hände und Augen: Das sind die 
wichtigsten Werkzeuge geblieben. Zu-
sätzlich musste man als SetzerIn in Ma-
thematik firm sein, denn es musste viel 
gerechnet werden, als man noch nicht 
mit dem Finger in die Tastatur hackte 
und den Cursor über den Bildschirm be-
wegen konnte, um den Text richtig zu 
setzen oder Korrekturen vorzunehmen. 
In den Zeiten des Bleisatzes hielt man 
jene Textzeilen noch in Händen, die man 
zuvor gesetzt hatte. Somit konnte man 
sehen, wo man Anpassungen vornehmen 
musste, damit der Text gut „fällt“, sprich 
so gut über die Zeilen und Spalten ver-
teilt ist, wie in der vorliegenden A&W. 
Dafür dürfen etwa die Abstände zwischen 
den Buchstaben nicht zu groß sein, Wör-
ter müssen an der richtigen Stelle abge-
trennt oder Absätze gemacht werden. 
Fallende Buchstaben
Als Kreutzberger die erste Ausgabe der 
A&W aus dem Jahr 1923 aufschlägt, stellt 
sein geschultes Auge sofort fest: „Das ist 
schon im Maschinensatz gesetzt worden.“ 
Dieser war die nächste technische Weiter-
entwicklung und ermöglichte es, die Blei-
buchstaben über eine Tastatur zu setzen. 
Dabei wurde offenbar nicht immer darauf 
geachtet, wie der Text fällt, sondern die 
Buchstaben fielen, wie sie eingetippt wur-
den. „Ich kenne keinen Schriftsetzer, der 
diesen Beruf wirklich gelernt hat, der so 
Vom Bleisatz über Klebesatz  
zu Indesign
Der frühere Layouter der Arbeit&Wirtschaft Dietmar Kreutzberger  
hat in seiner 45-jährigen Laufbahn viele technische Veränderungen erlebt,  
bevor die Digitalisierung den von ihm erlernten Beruf als Schriftsetzer  
verschwinden ließ. Gemeinsam mit Redaktionsassistentin Sonja Adler  
blickt er zurück auf den Wandel in der Arbeitswelt.  
Text: Sonja Fercher | Fotos: Michael Mazohl
        

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