Full text: Ein lachendes Auge (6)

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DER 19. ÖGB-BUNDESKONGRESS
NACHBER ICHT
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Der ÖGB-Bundeskongress brachte mit Wolfgang Katzian einen neuen Präsidenten. 
Sein Ziel: Das Mitgliederwachstum muss weitergehen.
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ir sind eine selbstbewusste Ge-
werkschaftsbewegung, und wir 
werden alles tun, alle unsere 
Kräfte bündeln, um die Rah-
menbedingungen so zu gestalten, dass für 
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer 
ein gutes Leben möglich ist“, sagte Wolf-
gang Katzian, gleich nachdem er am 
14. Juni zum ÖGB-Präsidenten gewählt 
worden war. „Wir kämpfen dann, wenn 
es notwendig ist und wenn es nicht er-
wartet wird – und dort, wo es besonders 
effektiv ist. Wir haben oft genug bewie-
sen, dass wir das können!“
Die Mobilisierungsstärke des ÖGB 
war dann schneller gefragt als erwartet, 
denn kaum war der 19. ÖGB-Bundes-
kongress mit Katzians Wahl abgeschlos-
sen, gab die Bundesregierung ihre Inter-
pretation von „Arbeitszeitflexibilisie-
rung“ bekannt: 12-Stunden-Tag und 
60-Stunden-Woche waren in einem Ge-
setzesantrag vorgesehen. Innerhalb von 
knapp zwei Wochen stellte der ÖGB 
eine Großdemonstration auf die Beine, 
zu der sich mehr als 100.000 Menschen 
auf dem Wiener Heldenplatz versam-
melten.
Katzian, bisher Vorsitzender der 
 Gewerkschaft der Privatangestellten, 
Druck, Journalismus, Papier, hätte neue 
Regelungen für die Arbeitszeit lieber auf 
Ebene der Sozialpartnerschaft verhan-
delt, als von der Regierung auf Konfron-
tationskurs gezwungen zu werden. „Wir 
stehen jedenfalls dafür, das Gemeinsame 
über das Trennende zu stellen. Wir sind 
gesprächs- und verhandlungsbereit, aber 
das funktioniert nur, wenn man mit uns 
auf Augenhöhe redet. Wenn nicht, müs-
sen wir uns anders Gehör verschaffen. 
Es gibt klare Grenzen der Zumutbar-
keit. Weil häkeln können wir uns sel-
ber“, so der neue ÖGB-Präsident.
Die Ausweitung der Arbeitszeit war 
nicht der einzige Plan der Regierung, 
der beim Kongress im Austria Center 
Vienna von den Delegierten heftig kriti-
siert wurde. Katzian erinnerte an die ro-
ten Linien, die von Regierungspolitike-
rInnen zuletzt überschritten wurden: 
„Eine leistungsstarke, selbstverwaltete 
Sozialversicherung, kein Hartz IV, kein 
genereller 12-Stunden-Tag, die Stär-
kung der Kollektivverträge bei der Ge-
staltung der Arbeitszeit sowie der Erhalt 
des Jugendvertrauensrats und der finan-
ziellen Ausstattung der Arbeiterkam-
mern.“ Auch Katzians Vorgänger Erich 
Foglar sagte in seiner Rede: „Noch nie 
gab es in der Zweiten Republik eine Re-
gierung, die so klar und ungeniert eine 
Regierung der Industriebosse und ihrer 
Wünsche ist und so gar nichts für die 
Bedürfnisse der Arbeitnehmerinnen 
und Arbeitnehmer und der Sozialpart-
nerschaft übrighat.“ Foglar wurde per 
Akklamation zum Ehrenpräsidenten des 
ÖGB ernannt.
Regierung spärlich vertreten
Während es bei früheren ÖGB-Kon-
gressen selbstverständlich war, dass ne-
ben zahlreichen MinisterInnen auch die 
Regierungsspitze der Einladung als Eh-
rengäste nachgekommen sind, war dies-
mal alles anders: Kanzler und Vizekanz-
ler ließen sich nicht blicken, zur Eröff-
nung kam nur Wirtschaftsministerin 
Margarete Schramböck. Inhaltlich woll-
te sich nur Sozialministerin Beate Har-
tinger-Klein einbringen, die am Tag 
nach der Eröffnung zum Kongress ge-
kommen ist. „Gute Arbeit muss gut be-
zahlt und menschengerecht sein, wir 
brauchen Bildung und Qualifizierung. 
Arbeit muss tariflich geschützt sein, und 
sie muss selbst- und mitbestimmt sein“, 
sagte sie in ihrer Rede. „Wir brauchen 
Florian Kräftner
ÖGB-Kommunikation
Gebündelte Kräfte für ein  
gutes Leben
        

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