11Arbeit&Wirtschaft 7/2018
ben, sind Fakten und die Realität für 
diese Regierung nicht einmal ungefähre 
Richtwerte. Selbst der Bundeskanzler 
hat behauptet, dass die Arbeiterkammer 
die Reisekosten zur ÖGB-Demonstrati-
on gegen den 12-Stun-
den-Tag übernommen 
hat – und das nur we-
nige Tage bevor er ein-
fach verlautbarte, der 
„Financial Times“-Re-
dakteur, der seine Re-
gierung „far right“ („weit rechts“) nann-
te, habe sich entschuldigt. Beides war, 
wie bekannt wurde, einfach erfunden. 
Verständlich und salopp
Die Arbeiterkammer tut gut daran, ihre 
Kommunikationsstrategie darauf einzu-
stellen: in einer modernen Sprache zu 
sprechen, die alle verstehen. Auch ausrei-
chend salopp. Und zu personalisieren: 
Die Arbeiterkammer hat großartige Ex-
pertinnen und Experten, die sich täglich 
in der Beratung und der Rechtsvertretung 
für die Mitglieder einsetzen. Diese Leute 
gehören vor den Vorhang. Einfach, weil 
eine gute Geschichte immer mit Personen 
zu tun hat: Opfern, HeldInnen, Schur-
ken. Die geprellten ArbeitnehmerInnen 
sind die Opfer, die Unternehmen, die Ge-
setze nicht einhalten, die Schurken – und 
die AK-MitarbeiterInnen, die die Rechte 
der Opfer durchsetzen, sind die Hel-
dInnen. Heldengeschichten erzählt man 
immer noch besser mit Personen in der 
Hauptrolle, die aus der Anonymität der 
Institution hervortreten. 
Spricht man mit Gewerkschafte-
rInnen und progressiven PolitikerInnen 
aus anderen Ländern, 
wird sehr oft mit Be-
wunderung auf die Ins-
titution einer gesetz-
lichen Interessenvertre-
tung geblickt. Oft aber 
wird dann die Frage 
nachgeschoben: Tritt damit die Arbeiter-
kammer nicht in Konkurrenz zu den Ge-
werkschaften? Denn: Vertretung und 
Beratung im arbeitsrechtlichen Einzelfall 
sind auch wichtige Elemente gewerk-
schaftlicher Arbeit. Wer sie benötigt, 
braucht aber keine Gewerkschaften, weil 
er bei der AK mindestens genauso gute 
Hilfe erhält. Nun könnte man daraus fol-
gern, dass die Gewerkschaften ein Prob-
lem bekommen, wenn eine gesetzliche 
Interessenvertretung einen Teil ihres Jobs 
erledigt. In der Realität spielt das aber 
praktisch keine große Rolle. Gewerk-
schaften agieren auf betrieblicher Ebene, 
was die AK nicht tut. Das Rückgrat der 
Gewerkschaften sind die Betriebsräte. 
Die Tarifpolitik ist Sache der Gewerk-
schaften, die AK hat damit nichts zu tun. 
Es ist ein Dreieck, in dem alle Akteure 
eine wichtige Funktion erfüllen. 
Ist all das altmodisch oder überholt in 
einer Welt der Ego-Ideologie und des 
Ich-tums? Das versucht uns die herr-
schende Ideologie einzureden: dass weni-
ger Solidarität irgendwie mehr wäre – 
mehr Freiheit, mehr Selbstbestimmung. 
Jetzt haben wir eine Bundesregierung, die 
Sprachrohr dieser Herrschaftsideologie 
ist, sie auch noch mit Ressentiments und 
Nationalismus verrührt und jede Gegen-
macht am liebsten ausmerzen würde. 
Herbert Tumpel ist mittlerweile 
längst in Pension, auch sein Nachfolger 
schon und neuerdings residiert mit Rena-
te Anderl eine Frau im Präsidentenbüro 
(erst das zweite Mal in der Geschichte der 
AK steht eine Frau an der Spitze). 
Aus den oberen Etagen der AK-Zent-
rale, vis-?-vis vom Belvedere, hat man ei-
nen packenden Blick auf Wien. Alles 
sieht von hier oben aus wie immer – die 
Stadt, die ein bisschen verschlafen wirkt. 
Menschen, die ihren Geschäften nachge-
hen. Alles wie gewohnt. Menschen, mit 
ihrem eigenen Leben. Man kann hier in 
Gedanken versinken und sich daran erin-
nern, dass jede Person ihre eigenen Sor-
gen hat, sich durchkämpft durchs Leben, 
gegen Widrigkeiten und für ein bisschen 
Glück. Jede/r ein wenig für sich. Aber in 
einer guten Gesellschaft doch nicht auf 
sich allein gestellt.
Und was man auch weiß: Die nächs-
ten Jahre werden keine Kaffeefahrt.
Schreiben Sie Ihre Meinung an den Autor
robert@misik.at 
oder die Redaktion
aw@oegb.at
Gewerkschaften, Betriebsräte 
und AK: zu viel des Guten? 
Ganz im Gegenteil, es ist ein 
Dreieck, in dem alle Akteure 
eine wichtige Funktion erfüllen.
Die Arbeiterkammer hat großartige 
MitarbeiterInnen, die sich täglich in 
der Beratung und der Rechtsvertretung 
für die Mitglieder einsetzen.
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.