26 Arbeit&Wirtschaft 8/2018
D
er Klassenkampf beginnt mit 
Cookies. Zumindest in der On-
lineversion des Duden. Nachdem 
man diese akzeptiert hat, wird 
man unterrichtet, dass es sich bei diesem 
um den „Kampf zwischen den gegen-
sätzlichen Klassen um die Entschei-
dungsgewalt in der Gesellschaft“ han-
delt. Arbeit gegen Kapital, um es klas-
sisch mit Marx zu sagen. Alles andere ist 
Nebensache.
Das scheint auch zutreffend, wenn 
man auf ein jüngeres Beispiel amerika-
nischer Politik blickt. „Class trumps 
gender“, also Klasse sticht Geschlecht: 
So lautete eine der standardmäßigen 
Erklärungen, warum bei der Präsident-
schaftswahl mehr Frauen Trump als 
Clinton gewählt hatten – trotz der frau-
enfeindlichen Äußerungen des republi-
kanischen Kandidaten. Letzten Endes 
wären Frauen aus der ArbeiterInnen-
schicht eben zuerst einmal Arbeiterin-
nen, so die Analyse, und erst in zweiter 
Linie Frauen. Der Unterschied zwi-
schen den Geschlechtern in unserer 
Gesellschaft: nur ein Nebenschauplatz, 
während die Auseinandersetzung zwi-
schen den Klassen auf der Hauptbühne 
stattfindet?
Was unterscheidet Klassen denn ei-
gentlich, könnte man an dieser Stelle 
fragen. Da lässt sich zuallererst der Fak-
tor Vermögen anführen. Wer seinen 
Besitz für sich arbeiten lassen kann, 
wird schwerlich einer ArbeiterInnen-
klasse zuzurechnen sein. Zudem besit-
zen Vermögende nicht nur materielle 
Werte, sondern auch mehr Macht und 
Einfluss als Besitzlose. 
Unterschiede im Vermögen sind 
nicht nur schichtspezifisch, sie existie-
ren auch zwischen Männern und Frau-
en. So besitzen Frauen im Schnitt um 
23 Prozent weniger Nettovermögen als 
Männer. Die Unterschiede zulasten der 
Frauen sind vor allem am oberen Rand 
der Vermögensverteilung zu finden. 
Genau bei diesen Haushalten besteht 
das Vermögen zu einem großen Teil aus 
Unternehmenseigentum. Damit geht 
auch wirtschaftliche und politische 
Macht einher. Und da haben Männer 
die Nase deutlich vorne.
Unterschied von 38 Prozent
Unter den arbeitenden Menschen wie-
derum macht vor allem die Höhe des 
Einkommens den Unterschied zwi-
schen den Klassen, also zwischen Mit-
tel- und Unterschicht, aus. Übertragen 
auf die Geschlechterfrage: Die Diffe-
renz beim jährlichen Bruttoeinkom-
men zwischen Frauen und Männern 
beträgt 38 Prozent – unbereinigt um 
Teilzeit, Berufe oder Branchen. 
Soweit zur Baustelle „faire Entloh-
nung“, auf der es weiterhin viel zu tun 
gibt. Darüber hinaus aber geht es auch 
darum, welche finanziellen Mittel einer 
Person am Ende des Tages tatsächlich 
zur Verfügung stehen, um ihr Leben zu 
bestreiten. Gerade am unteren Rand 
der Einkommensskala sind weibliche 
Beschäftigte verstärkt zu finden: Der 
Anteil an der Niedriglohnbeschäfti-
gung ist bei Frauen rund dreimal so 
hoch wie bei Männern. Zudem arbei-
ten Frauen insgesamt mehr: Sie werken 
65 Stunden jede Woche, bei Männern 
sind es 63 Stunden. In diese Berech-
nung ist unbezahlte Arbeit miteinbezo-
gen – zu Recht, schließlich ist es auch 
Arbeit, noch dazu eine sehr dringend 
notwendige.
Sind Frauen also eine eigene Klasse? 
Das sind sie natürlich nicht. Jedenfalls 
nicht in ihrer Gesamtheit. Aber sie sind 
gewissermaßen innerhalb ihrer jeweili-
gen Klassen unterprivilegiert. Das hat 
auch die Frauenbewegung vorgebracht, 
die gegen die systematische Schlechter-
stellung ihres Geschlechts angekämpft 
hat. Dieser Kampf lässt sich auch am 
Beispiel von Cookies illustrieren, dies-
mal im kulinarischen Sinne. Noch ein-
mal ein Blick in die amerikanische Poli-
tik: Wir schreiben das Jahr 1992. Der 
Ehemann der späteren Präsident-
schaftskandidatin Hillary Clinton rit-
tert selbst um die Präsidentschaft. Frau 
Clinton reagiert auf einen Vorwurf, sie 
hätte als Anwältin die Position ihres 
Gatten als Gouverneur zu ihrem beruf-
lichen Vorteil benutzt, ärgerlich: „Ich 
nehme an, ich hätte zu Hause bleiben 
und Cookies backen sollen.“ 
Kekse backende Ehefrauen
Die Ehegattin des Gegenkandidaten, 
Barbara Bush, forderte sie daraufhin zu 
einem Backwettbewerb auf. Clinton 
war unwillig, musste sich aber dem 
überwältigenden Druck des Wahl-
kampfteams beugen: Die amerikani-
sche Öffentlichkeit wollte Kekse ba-
ckende Ehefrauen sehen. Nur ein 
Sybille Pirklbauer
Frauen und Familie AK Wien
Nebenwiderspruch von Links
Die Struktur unserer Gesellschaft wird sowohl aus unterschiedlichen Klassen als auch 
aus Geschlecht gewebt. Wer sie ändern will, muss an beiden Fäden ziehen.
        

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