28 Arbeit&Wirtschaft 9/2018
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Im Untergrund
Als eine mächtige Gewerkschaftsorganisation gezwungen war, aus dem Untergrund 
gegen Austrofaschismus und Nationalsozialismus Widerstand zu leisten.
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m Jahr 1892 schlug in Österreich end­
lich die Stunde der Gewerkschaften. 
Nach vielen anfänglichen Gehversu­
chen wurde erstmals in der Geschich­
te der Monarchie eine zentrale sozialde­
mokratisch orientierte Gewerkschaftsor­
ganisation gegründet. Nach dem Ende 
des Ersten Weltkriegs und Zusammen­
bruch der Habsburgermonarchie erlebte 
die Gewerkschaftsbewegung einen rasan­
ten Aufstieg. 
Bedeutende Erfolge
Zu Beginn der Republik spielten die Or­
ganisationen eine wesentliche sozialpoli­
tische Rolle, denn sie konnten mit der 
Durchsetzung von Arbeitszeitbegren­
zung, Sozialversicherung und der Einfüh­
rung von Betriebsräten und Arbeiter­
schutz bedeutende Erfolge erzielen. Mit 
1.079.777 Mitgliedern verzeichneten die 
Freien Gewerkschaften im Jahr 1921 zu­
dem einen Rekordstand – eine derartig 
hohe Mitgliederzahl erreichte erst 1947 
der Österreichische Gewerkschaftsbund 
wieder. 1928 wurden alle sozialdemokra­
tisch orientierten Gewerkschaften im 
„Bund freier Gewerkschaften“ zusam­
mengefasst. Organisiert wurde der Ver­
band nach dem Industriegruppenprinzip 
– insgesamt gab es 38 Gewerkschaften 
und sieben lokale Gewerkschaften, die 
etwa 655.000 Mitglieder umfassten.
Als Gegenbewegung zu den sozial­
demokratischen Freien Gewerkschaften 
wurden 1928 in Leoben die „unabhän­
gigen“ oder „gelben“ Gewerkschaften 
gegründet, die der christlich­konserva­
tiven Heimwehr nahestanden. Da die 
gelben Gewerkschaften auf Arbeits­
kämpfe wie Streiks verzichteten, wur­
den sie von österreichischen Großun­
ternehmen wie beispielsweise der „Oes­
terreichischen­Alpinen Montangesell­
schaft“ unterstützt. Neben den beiden 
dominierenden Gewerkschaften exis­
tierten zudem noch kleinere Gewerk­
schaftsverbände wie jene Organisationen 
der Deutschnationalen, die „Rote Ge­
werkschaftsopposition“ der Kommunis­
tischen Partei Österreichs und die 
NSBO – die nationalsozialistischen Be­
triebszellenorganisationen – der Natio­
nal sozia listen.
In den Untergrund
Im Zuge der Februarkämpfe 1934 wur­
den nicht nur die sozialdemokratische 
Partei, sondern alle sozialdemokratischen 
Gewerkschaften und deren Arbeiteror­
ganisationen verboten und aufgelöst. 
Somit war die Opposition völlig ausge­
schaltet und der Weg zur offiziellen Er­
richtung des austrofaschistischen Regi­© 
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Maja Nizamov
Freie Journalistin
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