walten werden vom Volke eingesetzt. 
… Die politischen Vorrechte sind auf-
gehoben. 
Gleichzeitig wurde die demokratische Wahl 
einer „Konstituierenden Nationalversamm-
lung“ für Anfang 1919 angekündigt: 
Das gesamte Volk, Männer und Frau-
en, werde zur Wahl schreiten und sein 
äußeres Schicksal wie seine innere 
Ordnung allein, frei und unabhängig 
bestimmen … Bürger, Bauer und Ar-
beiter haben sich zusammengetan, um 
das neue Deutschösterreich zu be-
gründen.
Ein revolutionärer Akt, auch wenn man dem 
Kaiser nicht den Kopf abschlug. Was bisher 
undenkbar schien, wurde Wirklichkeit: glei-
che Rechte für ArbeitnehmerInnen, Gewerk-
schaftsvertreter als gleichberechtigte „So-
zialpartner“ beim Überleiten auf Friedens-
wirtschaft und bei der Organisation des Ar-
beitsmarkts im Kampf gegen die Arbeitslo-
sigkeit. Das alles wurde trotz katastrophaler 
sozialer Zustände erreicht – ein Lied nannte 
Wien eine „sterbende Märchenstadt“. Um 
das Überleben der jungen Republik zu si-
chern, forderte die Provisorische National-
versammlung Solidarität ein:
Wer über Vorräte verfügt, öffne sie 
dem Bedürftigen! Der Erzeuger von 
Lebensmitteln führe sie denen zu, die 
hungern! Wer überschüssige Gewan-
dung besitzt, helfe die frierenden Kin-
der bekleiden!
Oktober 1918. Die Soldaten an der Front und 
die Menschen im „Hinterland“ hungerten 
und froren, sie hatten genug vom Krieg des 
Kaisers. Soldaten schlugen sich in die Wäl-
der, um irgendwie durchzukommen. In den 
Städten und in der Kriegsindustrie demons-
trierten und streikten die Menschen für Nah-
rung, Frieden und Demokratie, manche auch 
für eine gerechtere Gesellschaft. Auf dem 
Gebiet der österreichisch-ungarischen Mo-
narchie bildeten sich neue Staaten und auch 
die deutschsprachigen Abgeordneten des 
1911 gewählten Parlaments ergriffen die 
Initiative. Am 21. Oktober erklärten sie sich 
im Niederösterreichischen Landhaus in Wien 
(dem heutigen Palais Niederösterreich) zur 
„Provisorischen Nationalversammlung des 
selbständigen deutschösterreichischen 
Staates“. Am 30. Oktober wurde die neue, 
dem Parlament verantwortliche Organisati-
on der staatlichen Verwaltung beschlossen. 
Unter den Abgeordneten befanden sich etli-
che Gewerkschafter, darunter der spätere 
AK-Präsident Franz Domes und Ferdinand 
Hanusch, der kurz darauf zum Staatssekretär 
für Soziales bestellt wurde.
Doch die kaiserliche Regierung weigerte sich 
selbst nach der militärischen Kapitulation 
am 3. November zurückzutreten, und Kaiser 
Karl ließ sich erst am 11. November dazu 
bewegen, auf die „Staatsgeschäfte in Öster-
reich“ zu verzichten. Damit konnte am 
12. November 1918 endlich der neue Staat 
proklamiert werden: 
Deutschösterreich ist eine demokrati-
sche Republik. Alle öffentlichen Ge-
Eine Republik mit gleichen Rechten
Erstmals in Österreich erhielten 1918 ArbeitnehmerInnen gleiche Rechte in Politik 
und wirtschaftlicher Interessenvertretung.
Die „Republik Österreich“, wie sie nach dem 
Friedensvertrag mit den Siegermächten des 
Ersten Weltkriegs ab 1919 hieß, schuf mit 
der Gleichberechtigung von Arbeitnehme-
rInneninteressen die Grundlage für Öster-
reichs modernen demokratischen Sozialstaat. 
Sie scheiterte daran, dass das Ziel einer so-
zialen Demokratie von rechten Regierungs-
koalitionen systematisch bekämpft wurde.
Ausgewählt und kommentiert von 
Brigitte Pellar
brigitte.pellar@aon.at
4 Arbeit&Wirtschaft 9/2018
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Auf Postkarten wie dieser wurden die zwei 
zentralen Botschaften der Republik-Prokla-
mation verbreitet: die Gleichheit aller Bür-
gerInnen und der Appell zusammenzuhalten, 
um den demokratischen Staat trotz Hunger 
und Arbeitslosigkeit aufzubauen.
        

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