Full text: Wie viel darf’s denn sein? (2)

23Arbeit&Wirtschaft 2/2019
In den sehr wettbewerbsfähigen Staaten Deutschland, Schweden und Dänemark 
wird über das Jahr kürzer gearbeitet als in Österreich.
Quelle: Eurofound 2017, „Developments in working time 2015–2016” 
Land Stunden/Jahr Differenz in Stunden mehr Freizeit
Österreich 1.738  
Deutschland 1.681 57 1 Woche & 2 freie Tage
Schweden 1.664 74 1 Woche & 4 freie Tage
Dänemark 1.635 103 2 Wochen & 2 freie Tage
Jahr bzw. der Gratisarbeit von rund 
26.000 Vollzeitbeschäftigten.
Die Einführung des 12-Stunden-
Tages bzw. der 60-Stunden-Woche geht 
völlig an den Bedürfnissen und Wün-
schen der Menschen vorbei: Laut Statis-
tik Austria (2018) wollten sieben von 
zehn Beschäftigten, dass ihre Arbeitszeit 
im Wesentlichen so bleibt, wie es vor 
der neuen Rechtslage war. Vom Rest 
wollten doppelt so viele ihre Arbeitszeit 
reduzieren, als sie andere erhöhen woll-
ten. Die neue Gesetzeslage fährt also 
über die Wünsche der Menschen drüber 
und erhöht den Druck am Arbeitsplatz 
noch mehr.
Das Einzige, was dieses 12-Stunden-
Tag-Gesetz wirklich schat: Es ver-
schärft die bestehenden Schieagen bei 
der bezahlten und unbezahlten Arbeits-
zeit zwischen den Geschlechtern. Frau-
en werden noch häuger in die Zuver-
dienerInnen-Rolle gedrängt und tragen 
weiter die Hauptlast der unbezahlten 
Arbeit im Familienkontext. Statt die 
Rahmenbedingungen für die Vereinbar-
keit von Beruf und Familie zu verbes-
sern, wird ein traditionelles Familien-
bild durch die verschärften Realitäten 
der Arbeitswelt einzementiert. 
Während leichte Fortschritte bei der 
ächendeckenden, qualitativ hochwer-
tigen und v. a. leistbaren Bereitstellung 
von sozialen Diensten wie Kinderbe-
treuung oder Pege irgendwie vorstell-
bar sind, ist aus heutiger Sicht kein brei-
ter Paradigmenwechsel in Richtung ei-
ner gleichstellungsorientierten Gesell-
schaftspolitik abzusehen.
Anstatt sich den Wünschen der 
Wirtschaft nach noch mehr Flexibilität 
ständig zu beugen, wäre es dringend ge-
boten, den ArbeitnehmerInnen mehr 
Autonomie hinsichtlich der Gestaltung 
ihrer Arbeitszeiten zuzuerkennen – 
Stichwort Zeitsouveränität. Dies be-
trit einerseits klassische Arbeitszeitmo-
delle, etwa einen Rechtsanspruch auf 
die – oft diskutierte, aber denitiv so 
nicht (!) umgesetzte – 4-Tage-Woche. 
Ebenso trit es auf klassische Sabbati-
cal-Modelle zu, die eine lebensphasen-
orientierte Auszeitmöglichkeit schaen 
können. Es bräuchte auch adäquate Lö-
sungen, wenn es um die Konsumation 
von angesparten Zeitguthaben geht, die 
nur im Einvernehmen und oftmals 
nicht zu jenen Zeiten verbraucht wer-
den können, in denen sie notwendig 
wären. 
Die Menschen haben es verdient, 
Arbeitsbedingungen vorzunden, die 
geeignet sind, ihre Gesundheit nicht zu 
gefährden. Ganz in diesem Sinne wurde 
rund um die Einführung des 12-Stun-
den-Tag-Gesetzes massiv Kritik geäu-
ßert, denn arbeitswissenschaftlich ist 
anerkannt, dass überlange Arbeitszeiten 
ohne ausreichende Erholungsmöglich-
keiten schlichtweg krank machen. 
Laut Erhebungen der EU-Agentur 
Eurofound (2016) kommen auf Basis 
der wesentlichen Kollektivvertragsrege-
lungen die Beschäftigten in Österreich 
auf jährlich 1.738 Arbeitsstunden 
(durchschnittliche kollektivvertragliche 
Normalarbeitszeit abzüglich Urlaub 
und Feiertagen). Beim Exportweltmeis-
ter Deutschland sind es nur 1.681 Stun-
den. Damit haben die Deutschen um-
gerechnet eine Urlaubswoche (zu 40 
Stunden) und zwei freie Tage (zu acht 
Stunden) mehr. In wirtschaftlich ähn-
lich hoch entwickelten Ländern wie 
Schweden werden 74 Stunden weniger 
im Jahr gearbeitet, was einer zusätzli-
chen Urlaubswoche und vier freien Ta-
gen mehr entspricht. In Dänemark wird 
um 103 Stunden weniger gearbeitet – 
das sind sogar zwei Urlaubswochen und 
zwei freie Tage mehr. 
Kurzum: In Schweden, Dänemark 
und Deutschland – alle sehr wettbe-
werbsfähige Volkswirtschaften – wird 
über das Jahr kürzer gearbeitet als in 
Österreich. Der wirtschaftliche Spiel-
raum hierzulande für einen erleichter-
ten Zugang zu einer sechsten Urlaubs-
woche ist also längst da. Nicht zu ver-
gessen: Er wird tagtäglich von den Be-
schäftigten selbst (!) erarbeitet.
Einzig sinnvolle Alternative
Man kann es zuspitzen: Das 12-Stunden-
Tag-Gesetz muss weg! Innovative Maß-
nahmen zur Arbeitszeitverkürzung wären 
die einzig sinnvolle Alternative. Wer in 
der Arbeitszeitdebatte nicht einmal über 
Anerkennung, Abgeltung von geleisteter 
Arbeit und mehr Autonomie reden 
möchte, der/die hat schlichtweg kein 
Triple-A verdient!
Eurofound-Studie:
tinyurl.com/y3evwcgl
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adi.buxbaum@akwien.at 
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