Full text: Wie viel darf’s denn sein? (2)

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ie Arbeit hoch: So heißt das klas-
sische Lied der österreichischen 
Arbeiterbewegung, das auf unzäh-
ligen Kundgebungen gesungen 
wurde und wird. Genauso wie in früheren 
Zeiten ist es auch heute notwendig, auf die 
Bedeutung menschlicher Arbeit zu verwei-
sen: für die eigene Sinnstiftung, für die 
Schaffung von Mehrwert und Produktivi-
tät als Grundlage für ein gutes Leben aller.
Beim Kult um die Bedeutung der Ar-
beit in unserer Bewegung ist vielleicht 
manchmal der Gedanke zu kurz gekom-
men, dass das Leben, wenn es ein gutes 
sein soll, nie die Arbeit allein ausmacht. 
Die freie Zeit ist es doch, die wir genie-
ßen, die wir mit unseren Liebsten ver-
bringen wollen – Zeit zum Spielen, auch 
zum Faulenzen, ja, und manchmal auch 
zum Ausschlafen –, die das Leben erst le-
benswert macht. Neueste Studien und 
unsere Erfahrungen im Kontakt mit den 
Beschäftigten zeigen, dass insbesondere 
Jüngere zwar gerne und mit Leidenschaft 
eine gute Arbeit in einem guten Arbeits-
klima verrichten. Gleichzeitig aber legen 
sie immer mehr Wert auf eine bewusste 
Gestaltung ihrer Freizeit. Überlange Ar-
beitszeiten und eine Erreichbarkeit rund 
um die Uhr sind längst nicht mehr „in“. 
Man will freie Zeit genießen und dafür 
entsprechende Rahmenbedingungen ge-
sichert haben.
Gewerkschaften waren schon immer 
die wirksamste und erfolgreichste Bewe-
gung, wenn es darum ging, menschen-
würdige Arbeits- und Lebensbedingun-
gen durchzusetzen. Der Kampf um den 
8-Stunden-Tag stand am Beginn unserer 
Bewegung, und die Forderung nach einer 
Arbeitszeitverkürzung war und ist immer 
ein xer Bestandteilt unserer Agenda. 
Was sich in letzter Zeit gewandelt 
hat, ist, dass es dabei um mehr geht als 
um eine lineare Verkürzung der wö-
chentlichen Arbeitszeit. Vielmehr geht es 
um eine Gestaltung der Arbeitszeit, die 
ein Mehr an Selbstbestimmung ermög-
licht, Beispiel: 4-Tage-Woche. Sie wurde 
etwa bei den jüngsten KV-Verhandlun-
gen im Handel durchgesetzt und ermög-
licht es den Beschäftigten, längere durch-
gehende Freizeitblöcke zu genießen. 
Zuspruch für weniger Arbeitszeit
Erste Erfahrungsberichte zeigen, dass 
dieses Modell sehr viel Zuspruch findet. 
Ein Beispiel dafür ist die Freizeitoption. 
Erstmals in der Elektroindustrie durch-
gesetzt, kann bei diesem Modell eine Ist-
Gehaltserhöhung in eine dauerhafte Ar-
beitszeitverkürzung umgewandelt wer-
den. Wichtig dabei ist, dass es sich um 
eine freiwillige Möglichkeit handelt. In-
teressanterweise nehmen sehr viele junge 
Beschäftigte diese Option in Anspruch, 
was einmal mehr beweist, dass mehr Frei-
zeit heute eine immense Bedeutung für 
die Beschäftigten hat. 
Und was macht die Regierung? Sie be-
dient primär die Interessen der Großin-
dustrie nach einer möglichst schrankenlo-
sen Ausbeutung der Arbeitskraft durch 
die Ermöglichung überlanger Arbeitszei-
ten von 60 dStunden pro Woche. Hätten 
wir als Gewerkschaftsbewegung nicht so 
massiv gegen dieses Gesetz angekämpft, 
so wäre sicher weder das Prinzip der Frei-
willigkeit (auch wenn es ein zweifelhaftes 
Recht ist) in den Gesetzestext gekommen 
noch die Klarstellung, dass günstigere Re-
gelung aus Betriebsvereinbarungen oder 
Kollektivverträgen nicht unterlaufen wer-
den dürfen.
Als Gewerkschaftsbewegung werden 
wir die Bemühungen für neue, innovative 
Arbeitszeitregeln, die den Bedürfnissen 
der Beschäftigten nach Selbstgestaltung 
gerecht werden, weiter intensivieren. Al-
les über einen Kamm zu scheren, wie es 
die Regierung tut, ist in Sachen Arbeits-
zeit jedenfalls der falsche Weg. Jede Bran-
che, jede/r Beschäftigte/r in seinen oder 
ihren unterschiedlichen Lebensphasen 
hat unterschiedliche Bedürfnisse. Dort, 
wo wir Gestaltungsmacht haben, nämlich 
auf der Ebene der Kollektivverträge oder 
auch auf der betrieblichen Ebene, versu-
chen wir weiterhin, das gemeinsam mit 
den BetriebsrätInnen umzusetzen. Leider 
fehlt uns derzeit auf der Regierungsebene 
ein Gegenüber, das gewillt ist, ein Herz 
für die sozialen Anliegen der Beschäftig-
ten zu zeigen. Aber wir werden sicher 
nicht lockerlassen, denn mehr und plan-
bare Freizeit ist für ein gutes Leben von 
entscheidender Bedeutung.
Die Freizeit hoch!
Nicht zuletzt
von
Barbara Teiber
Bundesvorsitzende der GPA-djp© 
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