Full text: Frauen und die Wirtschaftskrise

  XI  Hauptaussagen  Der unzureichende Ausbau der sozialen Dienstleistungen, allen voran der Kinderbetreuung und der  Versorgung mit  erschwinglicher  Pflege  und  Betreuung,  ist  ein Grund  für  die  nach wie  vor  gering  ausgeprägte  Aufteilung  von  Haus?  und  Erwerbsarbeit  zwischen  Männern  und  Frauen.  Um  eine  Professionalisierung der haushaltsnahen Dienstleistungsbereiche zu forcieren und um ein adäquates  Versorgungsnetz aufzubauen, bedarf es eines gezielten kleinräumigen Ausbaus der Infrastruktur.  Der  demographische Wandel  in  Verbindung  mit  Zu?  und  Abwanderungsbewegungen  und  damit  zusammenhängend  einem  unterschiedlichen  Ausmaß  der  Alterung  der  Bevölkerung  stellen  neue  Anforderungen  an  das  soziale  Dienstleistungsangebot:  Während  manche  Regionen  mit  einer  ausgeprägten Abwanderungsdynamik konfrontiert sind, verzeichnen andere aufgrund fortdauernder  Zuwanderung  aus  dem  Aus?  und  Inland  ein  anhaltendes  Bevölkerungswachstum.  Die  regionalen  soziodemographischen und ökonomischen Gegebenheiten bilden den Rahmen für die Gestaltung der  sozialen  Dienstleistungsstruktur,  die  in  der  vorliegenden  Studie  anhand  von  vier Modellregionen  (Bezirk  Neunkirchen,  Großraum  Schwechat,  Bezirk  Lienz,  Zweiter  Wiener  Gemeindebezirk/Leopoldstadt) dargestellt und analysiert wird.  Die Wirtschaftkrise und ihr Effekt auf den Arbeitsmarkt  Die  österreichische Wirtschaft,  die  bis  in  den Herbst  2008  sehr  erfolgreich war,  ist  im  Laufe  des  Jahres  2009  zunehmend  von  der  internationalen  Krise  erfasst  worden.  Die  österreichische  Wertschöpfung  schrumpfte  im  Jahr 2009 um 3,9 %, nachdem das  reale BIP  im  Jahr 2008 noch um  2,2 % expandierte.  Im  internationalen Vergleich  ist der Konjunktureinbruch  in Österreich besonders  ausgeprägt.   Gemessen  an  der  Entwicklung  der  Arbeitslosigkeit  traf  die  Krise  Wien  infolge  des  hohen  Dienstleistungsanteils  an  der  Beschäftigung  weniger  stark  als  Niederösterreich,  Tirol  und  Gesamtösterreich. Das Niveau der Arbeitslosigkeit, gemessen an der Arbeitslosenquote,  ist  in Wien  allerdings mit 8,5 %  im Jahr 2009 höher als  in Tirol (6,3 %), Niederösterreich  (7,3 %) und Österreich  (7,2 %).   AusländerInnen sind vom Anstieg der Arbeitslosigkeit stärker betroffen als  InländerInnen, und zwar  in allen Bundesländern.   Beschäftigung im internationalen Vergleich  Österreich  zählt  zu  den  Ländern  in  der  EU,  die  im  Schnitt  eine  etwas  überdurchschnittliche  Integration  der  Bevölkerung  im  erwerbsfähigen  Alter  (15?64)  ins  Erwerbsleben  aufweisen.  Die  Erwerbsquote der Männer  lag 2009 bei 81 % gegenüber 77,8 %  in EU?27 und79,2 %  in den EU?15? Ländern, die der Frauen bei 69,6 % gegenüber 64,3 % in EU?27 und 65,9 % in der EU?15.   Die  Höhe  und  die  Altersstruktur  der  Erwerbsquoten  unterscheiden  sich  unter  Frauen  stärker  zwischen den EU?Mitgliedstaaten als unter Männern, und zwar unabhängig von der Herkunftsregion.  Die  Unterschiede  in  der  Einbindung  der  Frauen  ins  Erwerbsleben  sind  stärker  vom  jeweiligen  Wohlfahrtsmodell geprägt als die der Männer. 

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