Full text: Frauen und die Wirtschaftskrise

  141  Vor  allem  die  Unterschiede  in  der  Einbindung  der  Frauen  ins  Erwerbsleben  sind  vom  jeweiligen  Wohlfahrtsmodell  abhängig.  Nach  Soysal  (1994)  besitzt  jedes  Land  ein  komplexes  Institutionengefüge, aus dem sich Organisation und Struktur des sozioökonomischen Verhaltens der  einheimischen  Bevölkerung  ableiten.  Die  vier  wichtigsten  europäischen  Sozialmodelle  –  das  nordische, das angelsächsische, das kontinentaleuropäische und das südeuropäische – unterscheiden  sich hinsichtlich der Rolle und Gewichtung, die dem (Arbeits?)Markt, dem Staat und den Haushalten  in  der  Güter?  und  Dienstleistungsproduktion  zukommt.  Länder,  die  durch  Steueranreize  oder  Transferzahlungen  einen  großen  Anteil  an  Arbeit  –  insbesondere  im  Bereich  der  Sozialdienstleistungen  –  auf  die  Haushalte  übertragen  (Kontinental?  und  Südeuropa), weisen  eine  niedrigere weibliche  Erwerbsquote  auf  als  solche,  in denen der  Staat  (nordische  Länder) oder der  Privatsektor (angelsächsischer Raum) als Hauptanbieter dieser Güter und Dienstleistungen fungieren.   Während das Zuwanderungsmodell bestimmt, wer sich unter welchen Voraussetzungen niederlassen  kann  und  den  Zugang  zum  Arbeitsmarkt  hat,  bedingt  das  Wohlfahrtsmodell  das  Ausmaß  der  Dienstleistungen, die im formellen Sektor angeboten werden. Das Maß der Einbindung der Frauen im  erwerbsfähigen Alter  in das Erwerbsleben verringert sich von Nord nach Süd; gleichzeitig nimmt der  Anteil des öffentlichen Sektors an der Gesamtbeschäftigung ab. Das angelsächsische Modell weicht  davon tendenziell etwas ab,  insofern als es eine vergleichsweise starke Arbeitsmarktintegration von  Frauen  aufzuweisen  hat,  obwohl  der  öffentliche  Sektor  wenig  umfangreich  ist.  Dies  ist  auf  die  Verlagerung  von  Haushaltsdienstleistungen  auf  den  Privatsektor  und  auf  gemeinnützige  Einrichtungen  zurückzuführen,  während  diese  Aufgaben  im  nordischen  Modell  großteils  vom  öffentlichen Sektor übernommen werden.   Abbildung 111: Erwerbsquoten der EU?Bürgerinnen bzw. drittstaatsangehörigen Frauen gegenüber dem  Gesamtdurchschnitt der Frauen (15?64, in %) in der EU?27, 2009  EU27 EU15 BE CZ DK DE GR ES FR IT CY LU HU NL AT SE UK 30,0 35,0 40,0 45,0 50,0 55,0 60,0 65,0 70,0 75,0 80,0 30,0 35,0 40,0 45,0 50,0 55,0 60,0 65,0 70,0 75,0 80,0 EU -B ür ge ri nn en Frauen Gesamt Q.: Eurostat. EU27 EU15 BE CZ DK DE GR ES FR IT LU NL AT PT FI SE UK EE LV 30,0 35,0 40,0 45,0 50,0 55,0 60,0 65,0 70,0 75,0 80,0 30,0 35,0 40,0 45,0 50,0 55,0 60,0 65,0 70,0 75,0 80,0 D rit ts ta at sa ng eh ör ig e Fr au en Frauen Gesamt   Q.: Eurostat.  Das  Zusammenwirken  der  Einwanderungsmodelle  und  der  Wohlfahrtsmodelle  erklärt  die  unterschiedlichen Erwerbschancen von Migrantinnen in den diversen Ländern. Interessant ist, dass in  Südeuropa  (Portugal,  Italien,  Griechenland  und  Spanien)  Drittstaatsangehörige  eine  höhere 

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