Full text: Frauen und die Wirtschaftskrise

 
159 
3.3.4. Überlegungen zur kleinräumigen Organisation von sozialen 
Dienstleistungen 
Internationale  Studien  zeigen,  dass  die  Organisation  der  sozialen  Dienste,  insbesondere 
Kinderbetreuung,  Pflege  und Weiterbildung,  nicht  nur  einen  Einfluss  auf  die  Betreuten  bzw.  die 
Lernenden  hat,  sondern  auch  auf  die  Familien  und  den  regionalen  Wirtschaftsstandort 
(Morissey/Warner 2007; OECD 2002). Wo diese Dienste kleinräumig über den Erwerbsarbeitsmarkt 
organisiert sind, sind Frauenerwerbsquoten und die  regionale Wertschöpfung höher. Diese Studien 
zeigen  auch,  dass  durch  die  erhöhte  Erwerbsintegration  der  Frauen  die Wertschöpfung  insgesamt 
begünstigt wird. Das geht auch aus Abbildung 126 hervor (dazu mehr bei Biffl 2007B).  
Die  sozialen  Dienste  zu  organisieren  und  Qualitätsstandards  sicherzustellen,  bedarf  aber  der 
Unterstützung seitens des Staates. Die Organisation dieser Dienstleistungen  ist nämlich komplex;  in 
Österreich gibt es derzeit kaum einheitliche Qualitätsstandards und Kriterien, die seitens der Anbieter 
einzuhalten  sind.  Das  gilt  in  unterschiedlichem  Maße  für  die  verschiedenen  Anbieter,  die  im 
staatlichen (Gemeinden) und privatwirtschaftlichen (freie Selbständige, Tagesmütter) Bereich ebenso 
angesiedelt sind, wie  in NGOs oder  im Haushalt. Die Eintrittsbarrieren in diese Märkte sind zum Teil 
niedrig,  und  der  Grad  der  Professionalität  ist  ebenso  wie  die  Qualität  unterschiedlich  und 
intransparent.  Daraus  folgt,  dass  es  angesichts  der  Informationsdefizite  hinsichtlich  der  lokalen 
Verfügbarkeit von sozialen Diensten aller Art, ihre Kosten, ihre Qualitätsstandards, die Öffnungszeiten 
etc. für den einzelnen schwierig ist, adäquate Entscheidungen zu treffen.  
Einerseits  führen  das  knappe  Angebot  an  sozialen  Dienstleistungen,  andererseits  das 
Informationsdefizit über die Qualität des Angebots und der Kriterien  (mangelnde Standardisierung) 
sowie zum Teil  starre Öffnungszeiten dazu, dass Haushalte oft  selbst derartige Dienstleistungen  im 
informellen Sektor organisieren oder  selbst ausführen.  In der Folge  liegt die Frauenbeschäftigungs?
quote in Vollzeitäquivalenten in Österreich nur leicht über dem EU?Schnitt (mit rund 50 % gegenüber 
49 % im Schnitt der EU15 und 27 im Jahr 2007).  
Die  Zahlung  von Geldern,  etwa  von  Kinderbetreuungsgeld oder  Pflegegeld,  an den  Entscheidungs?
träger,  etwa  den/die  Empfänger/in  der  Transferleistung,  eröffnet  nur  dann  ein  größeres 
Entscheidungsspektrum, wenn es ein ausreichendes Angebot an diesen Dienstleistungen mit einem 
Mindestmaß  an  Professionalität  und  Qualitätsstandards  vor  Ort  gibt.  Nur  dann  kann  über  den 
Wettbewerb, also die Nachfrage, das Qualitätsniveau sogar angehoben werden, da Personen auf der 
Suche nach Betreuung, Pflege und Weiterbildung dort  ihr Geld hintragen, wo die Zufriedenheit am 
größten ist. 
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.