Full text: Frauen und die Wirtschaftskrise

  204  Weiters könnte man an eine „Trägerförderung neu“ denken, wo die Erbringung und Koordinierung  der Dienstleistung ausschließlich über Trägerorganisationen läuft, wie derzeit etwa via Volkshilfe und  Hilfswerk.  Sicherzustellen  ist  allerdings  vorab,  dass  es  eine  unabhängige  Qualitätssicherung  gibt.  Vorstellbar  ist  die  Einrichtung  einer  Qualitätssicherungsagentur,  die  die  potenzielle  Trägerorganisation  auf Antrag und unter Vorgabe bestimmter  Kriterien  als  zertifizierte  Einrichtung  auf  eine  bestimmte  Zeit  akkreditiert.  Evaluierungen  sind  einzuplanen.  Die  Förderung  würde  es  zertifizierten Trägereinrichtungen ermöglichen, die Dienstleistung  ‚billiger‘ anzubieten, damit sie für  die Betroffenen/KundInnen  leistbar wird. Ein positiver Nebeneffekt einer derartigen Vorgangsweise  ist  die  Bekämpfung  der  Schwarzarbeit,  die  ja  in  diesem  Bereich  ausgeprägt  ist  und  einer  Professionalisierung entgegen steht.   Auch  sachgebundene  Leistungen  im  Gegensatz  zu  Geldleistungen  wären  ein  Ansatz,  der  die  Schwarzarbeit  zurückdrängen  würde  und  Menschen,  die  schon  derzeit  in  einem  Familienzusammenhang soziale Dienstleistungen erbringen,  in ein System einbindet, das  ihnen eine  eigenständige sozialversicherungsrechtliche Absicherung geben würde.   7. Gedanken zur Theorie des regionalen Wirtschaftswachstums  Die Faktoren für das Wirtschaftswachstum zu ergründen hat eine  lange Tradition. Trotzdem bleiben  Unsicherheiten  über  die  Bestimmungsfaktoren  des  Wirtschaftswachstums  erhalten  und  Meinungsunterschiede  zwischen  Ökonomen  sind  heute  ebenso  wie  zu  Keynes‘  Zeiten  üblich.  Im  Bereich  der  Regionalökonomie  kommt  den  Erklärungsfaktoren  für  die  Unterschiede  in  der  Wirtschaftskraft  von  Regionen  eine  besondere  Bedeutung  zu,  gibt  es  doch  für  die  politische  Gestaltbarkeit viele Möglichkeiten. (Armstrong/Taylor 2000)   Es ist somit die Aufgabe der Raumplanung, regionale Disparitäten auf ein normativ?politisches Maß zu  bringen, d.h. auf ein Maß, das von der Gesellschaft als erwünscht oder  fair angesehen wird. Dabei  übernimmt die Politik die Funktion, die Nutzer der Räume  in einen Entscheidungsprozess über das  Ausmaß der Disparität bzw. den Nutzungsgrad einzubinden.  (Fürst 2005) Auf einer supranationalen  Ebene verfolgt die EU das Ziel der Konvergenz, d.h. es werden Fördermaßnahmen gesetzt, die die  Verringerung der regionalen Disparitäten zum Ziel haben (Kohäsionsfonds).76   Trotz aller Bemühungen und dem offiziell verbreiteten Konvergenz?Optimismus  verringern  sich die  regionalen  Disparitäten  in  den  einzelnen  EU?MS  nicht,  ja  sie  nehmen  z.T.  sogar  zu.  Die  neue  ökonomische  Geographie  erhellt  unser  Wissen  über  die  Hintergründe  für  das  Entstehen  von  regionalen Disparitäten, etwa als Resultat des Abbaus von Handelsbarrieren, d.h. der Einbindung der  Regionen in einen internationalen wirtschaftlichen Wettbewerb. (Krugman 1991) Die konventionelle  neoklassische  ökonomische  Theorie  verfügt  derzeit  über  keine  Antwort,  wie  die  regionalen  Disparitäten reduziert werden können.   International  ist  zu  beobachten,  dass  es  im  Gefolge  der  wirtschaftlichen  und  gesellschaftlichen  Entwicklung zu einer zunehmenden Urbanisierung kommt. Räumliche Konzentrationsprozesse finden                                                               76 European Communities (1987), Article 23 ergänzt den Vertrag von Rom um das Ziel der wirtschaftlichen und  sozialen Kohäsion: “…the Community shall aim at reducing disparities between the levels of development of the  various regions and the backwardness of the least favoured regions of islands, including rural areas.“ 

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