Full text: Frauen und die Wirtschaftskrise

  205  sowohl zwischen Großstädten  (Metropolisierung) als auch auf  intraregionaler Ebene  (Abwanderung  aus dem ländlichen/peripheren Raum in Regionalzentren) statt. Das bedeutet, dass der ländliche bzw.  periphere Raum infolge von Marktkräften zunehmend entleert wird.   Diese Entwicklungen sind in Zusammenhang mit grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen zu  sehen. Traditionelle Vorstellungen über die Lebensweise und Organisationssysteme, die die Erhaltung  des  Regionalstandorts  zum  Ziel  hatten,  verlieren  an  Bedeutung.  Ebenso  die  traditionellen  Lebensformen  –  unsere  Gesellschaften  sind  von  zunehmender Mobilität  und  Flexibilität  geprägt,  sowohl  in  der  Arbeitswelt  als  auch  im  Privatleben.  Raumplanung muss  auf  diese  Entwicklungen  reagieren  und  gestaltend  eingreifen.  Nach  Lendi  (2003:  7)  steht  „Raumplanung  für  die  die  zukunftsfähige  Erhaltung  und  Gestaltung  des  Lebensraumes  mit  Chancen  der  individuellen,  politischen, wirtschaftlichen (insbesondere unternehmerischen) und sozialen Lebensentfaltung unter  Wahrung  des  ökologischen  Gleichgewichts“. Wenn  die  Gesellschaft  davon  überzeugt  ist,  dass  die  Erhaltung des  ländlichen Raums aus unterschiedlichen Gründen wünschenswert  ist, müssen sich die  institutionellen  und  gesellschaftlichen  Systeme  an  die  geänderten  Verhaltensmuster  der  wirtschaftlichen  und  sozialen  Akteure  anpassen. Dabei  zählen  zu  den  gesellschaftlichen  Systemen  auch Werte  und  ihr Wandel  über  die  Zeit,  etwa  die Gleichbehandlung  der Geschlechter.  Letztere  impliziert ein Überdenken der traditionellen Rolle der Frauen und Männer in der Gesellschaft und die  Implikationen für die Organisation der beiden Arbeitsfelder. Wenn diese grundsätzlichen Fragen nicht  gestellt  werden,  können  sie  auch  nicht  beantwortet  werden,  d.h.  aktiv  gestaltet  werden.  Ökonomische  Prozesse  und  Zwänge  nehmen  dann  ihren  Lauf,  der  mit  Individualisierung  und  Urbanisierung schlagwortartig umschrieben werden kann.   Es ist in diesem Zusammenhang nicht überraschend, dass der Nobelpreis in Ökonomie im Jahre 2009  an  zwei  Vertreter  der  Institutionenökonomie  ging,  Ostrom  und  Williamson.  Ostrom  hat  in  der  Begründung der Akademie den Preis  für die Überlegungen  zur Verwaltung des gemeinschaftlichen  Eigentums  von  Nutzerorganisationen  erhalten.  Das  sind  zentrale  Fragen  zur  Organisation  des  Gemeinwesens, etwa dem Umgang mit knappen lokalen Ressourcen.   Bis dato sieht man Gemeinwesenarbeit als unabhängig vom Wirtschaftssystem. Letzteres braucht nur  flankierende  und  ergänzende  Maßnahmen,  etwa  die  Sicherung  der  Beschäftigungsfähigkeit  der  Arbeitskräfte,  um  zu  funktionieren.  Jedoch  bedeutet  die  Entwicklung  und  Stärkung  „Lokaler  Ökonomien“,  dass  Gemeinwesenarbeit  wie  die  sozialen  Dienste  integral  in  die  Funktionsmechanismen des Wirtschaftslebens eingebaut werden, um Nachhaltigkeit sicher zu stellen.   Die  Theorie  der  Gemeinwesenökonomie  ist  noch  in  einem  Entwicklungsstadium,  in  dem  wissenschaftliche Erkenntnisse aus verschiedenen Disziplinen einfließen, mit dem Ziel, die Wohlfahrt  aller  in  unseren  Gesellschaften  nachhaltig  zu  sichern,  unter  Einbeziehung  der  Organisation  einer  nachhaltigen  Energieversorgung  und  Sicherung  der  Umwelt.  Ansätze  gelebter  Solidarökonomien  findet  man  an  vielen  Orten  der Welt,  aber  auch  in  Österreich.  Sie  werden  als  Alternativ?  oder  Komplementärstrukturen  wahrgenommen,  bergen  in  sich  aber  zunehmend  Elemente  einer  nachhaltigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Organisationsform. (Elsen 2007) 

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