Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1976 Heft 3 (3)

Verstärkung der destabilisierenden Wirkung von Investitionsanreizen zu
befürchten.
Versuchen, das derzeit bestehende Investitionsförderungssystem, die
indirekte Investitionsförderung, durch Gewährung direkter Prämien zu
ersetzen, steht das Argument einer wesentlichen Erhöhung des admini¬
strativen Aufwandes und der begrenzten Steuerungskapazität des admini¬
strativen Apparates gegenüber (ganz abgesehen von den »ordnungspoli¬
tischen« Einwänden, die von Unternehmerseite gegen eine solche Ände¬
rung erhoben werden).
Ein System steuerfreier Rücklagenbildung, der Thesaurierung von
Gewinnen in Zeiten der Hochkonjunktur und der Freigabe von Mitteln in
der Rezession, würde dagegen einen relativ geringfügigen administrativen
Mehraufwand erfordern. Der Vorteil dieser Maßnahme liegt, wie bereits
ausgeführt wurde, in der Möglichkeit, einen Teil der privaten Investitions¬
tätigkeit in die antizyklische Konjunkturpolitik zu integrieren und damit
zumindest zu einer Milderung der konjunkturellen Schwankungen von
Anlageinvestitionen beizutragen.29
Der Umbau der derzeitigen steuerlichen Investitionsförderung, ein
vollständiger beziehungsweise teilweiser Ersatz des derzeitigen Systems
durch Förderung der Bildung von Investitionsrücklagen und des Einsatzes
der thesaurierten Mittel zum wirtschaftspolitisch erwünschten Zeitpunkt
würde nicht nur die destabilisierenden Effekte vermeiden, sondern auch
gegensteuernde Maßnahmen des Staates komplementär ergänzen. Darüber
hinaus bietet ein solches System Möglichkeiten für eine Einbeziehung
strukturpolitischer und regionalpolitischer Zielsetzungen durch Freigabe
von Mitteln für bestimmte Investitionszwecke (beispielsweise Investitionen
für den Umweltschutz, in energiesparende Anlagen und so weiter) oder
für Investitionen in strukturschwachen Gebieten. Überdies würde sich
auch der Druck auf den Staatshaushalt in Rezessionsphasen verringern,
durch massive Erhöhung der öffentlichen Investitionen und direkte Sub¬
ventionierung von Unternehmerinvestitionen zur Konjunkturstabilisie¬
rung beizutragen. Selbst wenn man also annehmen würde, daß ein solches
Konzept öffentliche Förderungsmittel in derselben Höhe wie jetzt bean¬
spruchen würde, ergäbe sich dennoch eine Entlastung des Staatshaushalts.
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