Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1976 Heft 3 (3)

Auf der Suche nach
Wohlfahrtsindikatoren
Vor uns liegt die jüngste Studie des Wirtschafts- und
Sozialbeirates: »Qualitative Aspekte der wirtschaftlichen
und gesellschaftlichen Entwicklung (Wohlfahrtsindikato¬
ren)«. Schon vor mehreren Jahren, noch inmitten des lan¬
gen Booms von 1969 bis 1973 initiiert, erscheint sie gerade
zurecht, um das seither angesichts der bedrohlichen Wirt¬
schaftsentwicklung fast vergessene Thema des »qualitati¬
ven Wachstums« neuerlich in Erinnerung zu rufen. Was
damit gemeint war, definiert der Beirat vorsichtig, aber
nicht unzutreffend als »ein wirtschaftliches Wachstum, das
auch auf seine außerökonomischen Auswirkungen im Rah¬
men einer umfassenden Zielvorstellung von den Bedürf¬
nissen der Menschen Rücksicht nimmt.« Übersieht man die
verfremdende Sprache — es ist natürlich nicht das »Wachs¬
tum«, das Rücksicht nehmen soll, sondern die Menchen, die
es steuern — so deckt diese Definition sicher die allge¬
meinen, mehr oder minder vagen Vorstellungen, die in
diesem Zusammenhang schon seit langem Gegenstand der
Diskussion sind. Wer jedoch erwartet hätte, daß der Bei¬
rat auch schon die Konturen einer solchen »umfassenden
ZielVorstellung« für Österreich umreißen würde, muß ent¬
täuscht werden. Tatsächlich hätte ein solcher Auftrag ja
den Beirat bei weitem überfordert, nicht nur hinsichtlich
seiner personellen Ressourcen, sondern vor allem auch hin¬
sichtlich seiner Fähigkeit, in einer Frage von solcher Trag¬
weite einen Konsens herzustellen.
Schon die bescheidenere Aufgabe, die ihm gestellt
wurde, erwies sich als schwierig genug, nämlich die Samm¬
lung und Sichtung der verschiedenen Ansätze zur Mes¬
sung eben jener »qualitativen Aspekte« der Wohlfahrt, die
nicht in das Bruttonationalprodukt eingehen. Es handelt
sich also im wesentlichen um die Lösung statistischer Pro¬
bleme, dementsprechend richten sich die Empfehlungen des
Beirates diesmal nicht wie sonst an die Wirtschaftspolitik,
sondern an das Statistische Zentralamt — eine Verwal¬
tungsbehörde, die nur sehr mittelbar mit den wirtschafts¬
politischen Entscheidungen zu tun hat.
Man könnte nun — bevor auf den Inhalt der Studie
eingegangen wird — fragen, ob es überhaupt Sache des
Beirates sein kann, technische Probleme dieser Art in An-
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