Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1976 Heft 3 (3)

tieren jedoch nicht oder nur unwesentlich in Veränderungen der öffent¬
lichen Einnahmen oder Ausgaben. Auch solche Entscheidungen, seien sie
ihrem Ursprung nach wirtschafts-, sozial- oder rechtspolitischer Natur,
belasten aber die einzelnen Einkommensschichten unterschiedlich.
Ein Bereich, der bereits durch einige Untersuchungen näher erforscht
wurde, ist der umweltpolitische.27 Als erster Schritt muß dabei die räum¬
liche Verteilung der Umweltverschmutzung (generell oder einer gewis¬
sen Verschmutzungsquelle) festgestellt werden. Damit wird dann die
räumliche Verteilung der Bevölkerung — gegliedert nach Einkommen
und so weiter — verglichen. Nach der Feststellung der Belastungen —
gegliedert nach sozialen Merkmalen — müssen die Kosten und Nutzen
der Umweltschutzmaßnahmen eruiert werden, um letztlich zu einer Ver¬
teilung der Nettonutzen beziehungsweise -kosten zu kommen.
Aber auch bestehende gesetzliche Regelungen (beziehungsweise »Nicht-
regelungen«) könnten auf ihre verteilungspolitischen Konsequenzen un¬
tersucht werden. Insbesondere das Zusammenspiel einer bestimmten
Rechtssituation und einer spezifischen wirtschaftlichen und sozialen Ent¬
wicklung kann zu deutlichen Umverteilungen führen. Hier soll nur auf
die Spekulationsgewinne bei einem freien Bodenmarkt und immer knapper
werdendem Boden verwiesen werden. Es wäre sicherlich interessant,
Näheres über die Umverteilung von Mietern, Konsumenten und so weiter
zu den Grundbesitzern zu erfahren.
• Man sieht also deutlich, daß nicht nur eine Verfeinerung der Metho¬
dik der »traditionellen« Verteilungsuntersuchungen notwendig ist. Von zu¬
mindest ebensolcher Bedeutung ist es, die verteilungspolitischen Folgen
der übrigen staatlichen Tätigkeit — beziehungsweise Absenz — theore¬
tisch in den Griff zu bekommen. Für verteilungspolitisch interessierte
Ökonomen gibt es also genug Arbeit.
Aber man muß sich im klaren sein, daß selbst dann über die Verteilung
von abgeleiteten »immateriellen« Gütern wie Macht, Zufriedenheit und so
weiter noch keine unmittelbaren Aussagen möglich sind. Auch diesbezüg¬
lich sollten sich Ökonomen und andere Sozialwissenschafter bemühen.
Letztlich können nur auf Grund einer Analyse aller Ebenen Aussagen
über Verteilung und Umverteilung von Lebenslagen gemacht werden.
III. Wirtschaftspolitische Schlußfolgerungen
1. Die Schwierigkeiten, denen sich der Staat bei seinen Versuchen
umzuverteilen gegenübersieht, resultieren sowohl aus den Interessen jener
gesellschaftlichen Gruppen, die dadurch verlieren würden, als auch aus der
allgemein verbreiteten Ideologie einer leistungsgerechten Entlohnung.
Was Ch. Jenks für die Amerikaner sagt, gilt sicherlich ebenso, wenn auch
in abgeschwächter Form, für andere Industriestaaten: »Die Amerikaner
haben ein starkes Gefühl, daß, wenn sie einmal eine gewisse Summe Geld
verdient haben, dieses Einkommen ihnen gehört, damit sie sie so verwen¬
den können, wie sie es für richtig halten. Sie betrachten Steuern als ein
notwendiges Übel und keineswegs als ein Instrument zur Beeinflussung
der Einkommensverteilung.«28
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