Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1978 Heft 4 (4)

Problems und bessere Informationen stabilitätskonform kanalisiert. Jedoch sind Voraussetzungen für eine Verteilungspolitik gegeben, und ohne eine Verteilungspolitik gibt es keine konsensfähige Einkommenspolitik. Eine weitere Fehlhaltung in der beliebten Schuldzuweisung an die Gewerkschaften liegt darin, daß dem Staat jede Verantwortung für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung von Preisen und Mengen abgenommen wird. Die Fehlentwicklung wird der einen Tarifpartei in die Schuhe geschoben: die Rückkehr zum Optimum ist erreicht, wenn diese ihr Fehl¬ verhalten ändert. In der Kommission zeigte es sich, daß die Tarifparteien dieser Ansicht nicht gefolgt sind. Sie war zwar — bis auf wenige Einzel¬ fragen — nicht in der Lage, eine konkrete Einkommenspolitik vor¬ zuschlagen, jedoch entließ sie die gesamtwirtschaftliche Politik nicht aus ihrer Verantwortung. Von der Nachfrage- zur Angebotspolitik Ausgehend von der bereits erwähnten Kritik an der kurzfristig orien¬ tierten Globalsteuerung scheint es notwendig zu sein, die Fiskal- und Geldpolitik langfristig zu orientieren. Ihr kommt zunächst die Aufgabe der Stabilisierung der Erwartungen zu. Gerade unter langfristigen Gesichtspunkten wurde von der technokratischen Vorstellung Abstand genommen, daß staatliche Instanzen entweder Inflation oder Arbeits¬ losigkeit durch kurzfristige Variationen der Gesamtnachfrage wirksam bekämpfen können. Nach einer umfangreichen theoretischen Diskussion, die durch externe Gutachten befruchtet wurde und in Spurenelementen im Schlußgutachten wiederzufinden ist, schlug die Kommission eine angebotsorientierte »Strategie der gestaltenden Expansion bei Voll¬ beschäftigung« vor. Trotz aller kurz- und langfristigen Nachfrageprobleme legt sie damit den Schwerpunkt ihrer Vorschläge auf die langfristige Entwicklung der Angebotsseite. Für den zukünftigen wirtschaftspolitischen Kurs der Bundesrepublik Deutschland scheint eine Hinwendung von der Nach¬ frage- zur Angebotspolitik entscheidend zu sein. Die staatliche Wirtschafts¬ politik muß dafür sorgen, daß öffentliche und private Akteure auch langfristig ein Angebot erbringen, welches seine Nachfrage findet. Um ein Schlagwort zu zitieren, langfristig muß die »Modernisierung der Volks¬ wirtschaft« vorangetrieben werden. Läßt man die (verfehlte) protektio- nistische Orientierung der Cambridge Economic Policy Group außer Acht, so argumentieren diese Wissenschaftler in ihrem Bericht von 1978 in ähnlicher Richtung. In der Zukunft wird es wichtig sein, daß der Staat neben der Stabilisierungs- und Umverteilungsfunktion seine Allokations- funktion voll wahrnimmt. Was kann er in dieser Hinsicht tun? In einer gemischten Wirtschaftsordnung ist der Staat nicht nur ein Residualfaktor: Er selbst erbringt ein Angebot von Gütern und Dienst¬ leistungen. Dieses richtet sich nach dem historischen Stand der Aufgaben¬ abgrenzung zwischen dem privaten und staatlichen Sektor. Wenn der Wachstumsprozeß langfristig gesichert werden soll, so muß der Staat effizient seine Aufgaben in Forschung, Entwicklung, Bildung, öffentlichen 337

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