Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1978 Heft 4 (4)

3. Der gewichtete Vollbeschäftigungssaldo Der oben abgeleitete VBS bildet einen Indikator für diskretionäre Änderungen im Budgetsaldo, die auf budgetpolitische Maßnahmen zurückzuführen sind und nicht ein automatisches Resultat von Be¬ schäftigungsschwankungen darstellen. Er läßt aber noch keine eindeutige Aussage darüber zu, ob von einem Budget stärkere Nachfragewirkungen (»fiscal impacts«) ausgehen als von einem anderen. Dieses Problem wurde bereits von E. C. Brown13 gesehen, aber erst im Anschluß an R. A. Musgraves14 »fiscal-leverage«-Konzept von E. M. Grämlich'5,6 und W. H. Oakland17 ausgearbeitet. Aus der Literatur um das »Haavelmo-Theorem« ist bekannt, daß eine Steuersenkung weniger expansiv auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage wirkt als eine Ausgabensteigerung gleichen Ausmaßes und vice versa. Um Steuern und Staatsausgaben im Hinblick auf die Stärke ihrer Nach¬ fragewirkung vergleichen zu können, müssen wir die Steuereinnahmen in (6) mit der marginalen Konsumneigung (c) gewichten; wir erhalten damit in (7) (7) VBSG = cT(Y„t) —G einen gewichteten Vollbeschäftigungssaldo (VBSQ), der auch den »Haavelmo-Effekt« berücksichtigt. Steuern und Staatsausgaben bilden aber keine homogenen Aggregate: Von verschiedenen Steuer- und Ausgabenkomponenten des Budgets gehen unterschiedliche Nachfrageeffekte aus. Von Investitionsausgaben erwarten wir beispielsweise eine expansivere Wirkung als von Transferzahlungen; oder Aufträge an eine Industrie, die einen hohen Anteil ihres Einsatzes importiert, werden beschäftigungspolitisch nicht so interessant sein wie Aufträge an Branchen, die nur eine geringere Importverflechtung auf¬ weisen. Umschichtungen auf der Einnahmen- und Ausgabenseite verursachen damit Nachfrageeffekte, die im Aggregat verdeckt bleiben. Wir spalten daher Steuern und Staatsausgaben in Komponenten auf und gewichten diese entsprechend ihrem Beitrag zur Inlandsnachfrage. Bezeichnen wir mit T, und Gj die einzelnen Steuer- bzw. Ausgabenkategorien und mit m die Gewichte, so können wir für den strukturell-gewichteten Voll¬ beschäftigungssaldo (VBSsg ) schreiben: k n (8) VBSsg =c >H m, T,(Yg,t)— ZZ mjG,. 1 = 1 j = k + 1 Dieser VBS8Q berücksichtigt nicht nur die Unterschiede zwischen der Einnahmen- und Ausgabenseite des Budgets, sondern auch solche zwischen den verschiedenen Steuer- und Ausgabenarten, so daß auch Umschichtungen im Budget Eingang finden, die vom Saldo nicht erfaßt werden. Es bleibt noch anzumerken, daß die hier verwendeten Konzepte des VBS nichts über die absolute Höhe des »fiscal impact« aussagen; dazu müßten einerseits die entsprechenden Multiplikatoren aufgrund eines umfassenden Fiskalmodells abgeleitet und mit den jeweiligen 345

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