Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1978 Heft 4 (4)

für die Planungsmüdigkeit, das Unbehagen an der Planung auch im ökonomischen Bereich sein. Zweifellos wird dieses Unbehagen durch das wachsende Bewußtsein verstärkt, daß quantitative Zielsetzungen nicht das Um und Auf der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung sein können, während Planer eben notgedrungen eher in quantitativen Kategorien denken. Schließlich ist durch Massenarbeits¬ losigkeit und Krise das Vertrauen in staatliche Interventio¬ nen und die Beherrschbarkeit unseres gesellschaftlichen Systems durch »Politiken« der verschiedensten Art — Wirtschafts-, Wachstums-, Beschäftigungs-, Antiinflations- politik — schwer erschüttert worden, in Österreich aller¬ dings aus gutem Grund in wesentlich geringerem Ausmaß als in anderen Ländern. Allzu häufig wurden Maßnahmen kurzfristigen Krisenmanagements als Planung ausge¬ wiesen und haben sich nur als wenig erfolgreich heraus¬ gestellt, aber auf diese Weise den Begriff der Planung im allgemeinen diskreditiert. Die bisherigen Ausführungen könnten vielleicht als langwierige Einleitung zu einem Plädoyer für eine Abkehr vom staatsinterventionistischen System, für eine unbe¬ schränkte Herrschaft der »unsichtbaren Hand« des Marktes mißverstanden werden. Jene, die meinen, daß die Staatsintervention die Erbsünde wider das göttliche Gesetz der Marktwirtschaft darstelle, können sich zwar auf zahlreiche Beispiele bürokratischer Unfähigkeit, Un¬ zulänglichkeiten und Irrtümer berufen. Was ihnen aller¬ dings kaum gelingen wird, ist der Nachweis, daß der autonom ablaufende Marktprozeß die Stabilität des öko¬ nomischen Systems gewährleisten kann; oder daß er imstande wäre, die hier angedeuteten gesellschaftlichen Probleme zu bewältigen. Worin ist aber eine Lösung des Dilemmas zu suchen? Vielleicht ist es tatsächlich angezeigt, den Gedanken einer umfassenden Rahmenplanung, die ein Instrument der gesamtwirtschaftlichen Koordination darstellen könnte, vorläufig zurücktreten zu lassen und statt dessen unsere Anstrengungen auf die vorhandenen Möglichkeiten der Teilbereichsplanung — auf den verschiedensten Gebieten und Ebenen — zu konzentrieren. Eine solche Vorstellung scheint auch dem neuen Programm der SPÖ zugrunde zu liegen. Wohl werden auch in diesem Dokument gewisse allgemeine Grundsätze der Wirtschaftsplanung formuliert, aber im Gegensatz zum Programm des Jahres 1958 wird die Forderung nach einer Institutionalisierung in Form einer zentralen Planungskommission diesmal vermieden. Zu einem erheblichen Teil wird daher die Last der Krisen¬ bewältigung nach wie vor den bekannten und vielstrapa- 326

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.