Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1979 Heft 3 (3)

einmal präzisiert, was mit Verträglichkeit exakt gemeint ist und
welche Verträglichkeitsgrade unterschieden werden. Die logische
Struktur einer Arbeitslosigkeits-(Inflations)erklärung ist immer von
der Art, daß aus einer .Ursache' Arbeitslosigkeit (Inflation) folgt. Je
nachdem, ob die .Ursache' in einer bestimmten Arbeitslosigkeitserklä¬
rung und die .Ursache' in einer bestimmten Inflationserklärung in
Widerspruch stehen/nicht in Widerspruch stehen/eine der beiden
,Ursachen' die andere bedingt, gilt für diese Kombination von
Arbeitslosigkeits- und Inflationserklärung:' ,mit Stagflation unverträg¬
lich'/,mit Stagflation verträglich'/,erklärt Stagflation'. Bei Erklärungs¬
kombinationen, die .Stagflation erklären', handelt es sich um geschlos¬
sene' Stagflationserklärungen in dem Sinn, daß aus einer Ursache
heraus Arbeitslosigkeit und Inflation, also Stagflation, erklärt werden
kann; bei Erklärungskombinationen, die .mit Stagflation verträglich'
sind, handelt es sich um .bedingte' Stagflationserklärungen in dem
Sinn, daß zwar das Zusammentreffen von Inflation und Arbeitslosig¬
keit nicht ausgeschlossen ist, aber erst durch Zusatzüberlegungen
plausibel gemacht werden muß.
Indem wir die in 1.1. angeführten Arbeitslosigkeitserklärungen mit
den in 1.2. dargestellten Inflationserklärungen kombinieren und
prüfen, welche Kombination .Stagflation erklärt', .mit Stagflation
verträglich', bzw. unverträglich' ist, erhalten wir in systematischer
Weise die in den gängigen Inflations- und Beschäftigungstheorien
enthaltenen potentiellen Stagflationserklärungselemente.
Geschlossene-triviale Stagflationserklärungen
Alle Theorien, nach denen die Arbeitslosigkeit auf einem „natürli¬
chen" Niveau verharrt (monetaristische Theorie und Neue MikroÖko¬
nomie in ihrer .strengen' Version) erklären .milde' Stagflation so
geschlossen wie trivial, nämlich: Inflation = Stagflation.
Geschlossene-nichttriviale Stagflationserklärungen
Ursachen, die entsprechend den behandelten Theorien Arbeitslosig¬
keit, aber auch Inflation erklären können, sind
1. überhöht steigende Löhne: diese führen nach der .modifizierten'
Form der vorkeynesianischen Gleichgewichtstheorie zu Arbeitslosig¬
keit, nach der neokeynesianischen und soziopolitischen Inflationstheo¬
rie, sowie nach dem Konzept der strukturellen Inflation und den
alternativen Preis- und Lohntheorien zu Inflation. Praktisch wird die
Transformation von steigenden Löhnen in gleichzeitige Inflation und
Arbeitslosigkeit so argumentiert: Den bereits Beschäftigten und vor
allem den qualifizierten Arbeitskräften werden die hohen Löhne
bezahlt — inflationärer Effekt — neu einzustellende (z. B. Jugendliche)
und ungelernte Arbeitskräfte werden zu den hohen Löhnen nicht
beschäftigt — Arbeitslosigkeitseffekt (vgl. z. B.: Gordon 77, Kuh 74,
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