Volltext: Wirtschaft und Gesellschaft - 1979 Heft 3 (3)

Wiles 73), oder aber: Gewisse Branchen (z. B. solche mit oligopolisti-
scher Struktur, mit guter Nachfrageentwicklung) sind bereit, die
höheren Löhne zu zahlen — inflationärer Effekt —, andere Branchen
beschäftigen zu den höheren Löhnen weniger Leute — Arbeitslosig¬
keitseffekt (vgl. z. B.: Johnston 75). Das überhöht steigende Lohnniveau
seinerseits wird erklärt durch steigende soziale Ansprüche, Orientie¬
rung des Lohnniveaus am .führenden' Sektor, Expansion und steigende
Militanz der Gewerkschaften.
2. gegenläufige Nachfrageentwicklung: Diese führt nach dem Kon¬
zept der strukturellen Arbeitslosigkeit zu Arbeitslosigkeit, nach dem
Konzept der strukturellen Inflation zu Inflation, und zwar gemäß
folgendem Argumentationsschema. Nachfrageexpansion in gewissen
Branchen führt zu einem allgemeinen Lohn- und Preisniveauanstieg
— dies erklärt Inflation —, Nachfragerückgang in anderen Branchen
führt zu Arbeitslosigkeit, allerdings nur solange, bis sich die Struktur
des Arbeitskräftepotentials an die geänderte Nachfragestruktur ange¬
paßt hat. Änderungen der Nachfragestruktur und Anpassungsprobleme
(Immobilität) des Faktors Arbeit erklären Stagflation.
3. starker Nachfragerückgang: Dieser führt gemäß dem keynesiani-
schen Argument zu Arbeitslosigkeit, andererseits über unausgelastete
Kapazitäten zu steigenden Gesamtstückkosten, die gemäß den .alterna¬
tiven Preistheorien' vor allem in oligopolistischen Branchen auf die
Preise übergewälzt werden. Nachfragerückgang in einer oligipolisti-
schen Wirtschaftsstruktur erklärt somit Stagflation.
Bedingte Stagflationserklärungen
Sich nicht widersprechende Inflations-Arbeitslosigkeits-Ursachenpaa-
re, deren gleichzeitiges Auftreten Stagflation erklären würde, sind
entsprechend den behandelten Theorien:
4. (hohe Geldmengenexpansion, überhöhte Mindestreallöhne), (hohe
Geldmengenexpansion, niedriges Niveau der aggregierten Nachfrage),
(hohe Geldmengenexpansion, nachfrageinadäquate Struktur des Ar¬
beitskräftepotentials), (hohe Geldmengenexpansion, nachfrageinadä¬
quate Struktur des Arbeitskräftepotentials), (hohe Geldmengenexpan¬
sion, nachfrageinadäquate Struktur des Kapitalstocks).
Geldmengenexpansion führt gemäß quantitätstheoretischen Argu¬
menten zu Inflation ohne reale Effekte. Zu Arbeitslosigkeit kommt es,
wenn Firmen nicht bereit sind, Arbeitskräfte zu Reallöhnen, die über
ihrer Produktivität liegen, zu beschäftigen (vorkeynesianische Gleich¬
gewichtstheorie), oder die aggregierte Nachfrage nicht ausreicht, um
alle Arbeitskräfte beschäftigen zu können (keynesianische Unterbe¬
schäftigungstheorie), oder das Arbeitskräfteangebot zwar quantitativ,
aber nicht qualitativ der Nachfrage entspricht (strukturelle Arbeitslo¬
sigkeit; Arbeitskräftepotentialstruktur), oder die Arbeitsplätze im
technischen Sinn fehlen (strukturelle Arbeitslosigkeit; Kapitalstock¬
struktur).
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