Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1982 Heft 1 (1)

GELDTHEORIE UND
GELDPOLITIK
Rezension von: Otmar Issing,
Einführung in die Geldtheorie;
WiSo-Kurzlehrbücher, Reihe
Volkswirtschaft, Verlag Vahlen,
München 1981 (4. Auflage). Otmar
Issing, Einführung in die Geldpolitik;
WiSo-Kurzlehrbücher, Reihe
Volkswirtschaft, Verlag Vahlen,
München 1981.
Der Autor betont im Vorwort zu
seiner neuen „Einführung in die Geld¬
politik", daß es Aufgabe eines solchen
Buches sei, „den studentischen Leser
zwar an den Stand der Diskussion
heranzuführen, ihn aber nicht durch
eine Fülle kontroversieller Meinungen
in einen Zustand der Ratlosigkeit zu
versetzen". Die monetäre Theorie -
und im besonderen die Theorie der
Geldpolitik - ist in den vergangenen
zwei Jahrzehnten einem starken Wan¬
del unterworfen gewesen, dessen Ent¬
wicklungsrichtung nicht immer ein¬
deutig war; bisweilen schien es, als
würden längst in der Versenkung ver¬
schwundene Theoriengebäude nur für
die Gegenwart neu adaptiert. In einem
solchen wissenschaftlichen Umfeld ist
es für einschlägige Autoren meist be¬
quemer, sich an der einen oder ande¬
ren Verästelung der Diskussion ge¬
zielt zu beteiligen, als sich der Mühe
zu unterziehen, die auseinanderstre¬
benden und teilweise widersprüchli¬
chen Diskussionsbereiche lehrbuch¬
mäßig aufzuarbeiten.
Issing unterzieht sich dieser mühe¬
vollen Aufgabe mit der Herausgabe
seiner „Einführung in die Geldtheo¬
rie" (1. Auflage 1974) schon seit länge¬
rer Zeit. Dieses Werk ist in den letzten
Jahren vielfach als ein besonders stu¬
diengerechtes Lehrbuch gewürdigt
worden, weil in ihm die theoretischen
Zusammenhänge an Hand von praxis¬
bezogenen Erläuterungen anschaulich
dargestellt werden.
Die große Nachfrage nach diesem
Werk zeigt sich schon darin, daß es
nun in seiner 4. Auflage erschien; sie
ist inhaltlich gegenüber der vorherge¬
henden Auflage praktisch nicht verän¬
dert worden. Issing bearbeitet darin
zunächst die Frage der Gelddefinitio¬
nen, daran schließt sich im Sinne der
traditionellen Gleichgewichtsbetrach¬
tung die Analyse von Geldnachfrage
und -angebot sowie die Zinstheorie. In
einem zweiten Teil werden dann eini¬
ge wichtige gesamtwirtschaftliche
Wirkungen, die von Veränderungen
auf dem Geldmarkt ausgehen, abge¬
handelt. Der Schwerpunkt liegt hier
auf der dogmengeschichtlich geordne¬
ten Analyse der Quantitätstheorie und
ihrer Kritiker sowie der Inflations¬
theorie (einschließlich wichtiger
nichtmonetärer Inflationserklärun¬
gen). Etwas unmotiviert ist in diesen
zweiten Teil eine Besprechung von
Liquiditätskonzepten eingebettet; die¬
se hätten ihren Platz wohl eher in der
Nähe der Geldmarkt- und Gelddefini¬
tionskapitel gehabt.
Der Neuauflage der „Geldtheorie"
ist nun auch die von Issing seit langem
geplante „Einführung in die Geldpoli¬
tik" gefolgt. Ihre Herausgabe verzö¬
gerte sich offensichtlich wegen der
eingangs erwähnten Schwierigkeiten.
Als Ergebnis liegt dafür nun ein sehr
sorgfältig erstelltes zweibändiges
Lehrbuch der monetären Ökonomie
für den deutschen Sprachraum vor,
das zwar in erster Linie für die Studie¬
renden jüngerer Semester geschrie¬
ben ist, das aber als Nachschlagewerk
auch höhere Semester ansprechen
wird. Dabei findet Issing eine leicht
leserliche Sprache, die sich von der
unnötigen Kompliziertheit mancher
anderen deutschsprachigen Lehrbü¬
cher wohltuend abhebt.
In der „Geldpolitik" analysiert Is¬
sing in einem ersten Teil die „Grundla¬
gen" der monetären Politik, zu denen
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