Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1982 Heft 1 (1)

ausgeht, soll Ausbeutung erkl�ren. Sowohl der Preis der Arbeitskraft -
der Lohn - als auch die Preise der Waren, soll dem Wert entsprechen,
und damit im vollen Einklang stehen mit den Gerechtigkeitspostulaten
der in der Werttheorie analysierten Tauschgesellschaft. Ausbeutung
wird m�glich, weil der Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft darin
besteht, mehr Werte zu produzieren, als die Arbeitskraft selbst wert ist.
Die Bestimmung des Wertes der Arbeitskraft ist daher f�r die Marxsche
Theorie der Ausbeutung von zentraler Bedeutung. Sie kann nicht
beiseite geschoben werden.
Es ist dabei nicht von Bedeutung, ob die L�hne ein physisches, ein
soziales oder ein historisch bestimmtes Minimum decken. Entschei�
dend an der Marxschen Argumentation ist, da� der Lohn exogen dem
�konomischen System vorgegeben ist. Es wird zwar von Marx keines�
falls ein Steigen der L�hne ausgeschlossen, in manchen Kapiteln
scheint er auch eine zumindest langfristige Verbesserung der Lebens�
bedingungen der Arbeiter anzunehmen (etwa in Kap. 8 des ersten
Bandes), in anderen hingegen eine ewige Verschlechterung (das allge�
meine Gesetz der Akkumulation, Kap. 23, erster Band), aber es gibt
keinen direkten Zusammenhang zwischen Lohnerh�hungen und Wirt�
schaftswachstum24.
Die Arbeiter sind nur die Ausgebeuteten und nicht gleichzeitig die
stillen Teilhaber der Gesellschaft: steigt die Produktivit�t der Arbeit, so
folgt bei Marx nur die M�glichkeit eines h�heren Lebensstandards,
nicht deren automatische Verwirklichung. Es gibt f�r Marx in der
kapitalistischen Gesellschaft keinen Mechanismus, der ein Steigen der
L�hne mit steigender Produktivit�t sichert.
Steigender Lebensstandard wird eher als Folge des Steigens des
Wertes der Arbeitskraft im Zuge des Zivilisationsprozesses gesehen.
Dieser Zivilisationsproze� l��t sich nicht auf �konomische Entwick�
lung im engeren Sinn reduzieren. Er ist ebensosehr Ergebnis des
laufenden Klassenkampfes; im Kapitalismus hei�t das, des Kampfes
der Arbeiter um bessere Lebensbedingungen. Versucht die akademi�
sche �konomie steigende L�hne als Ergebnis eines �konomischen -
d. h. marktm��igen - Prozesses zu erfassen, und in manchen ideologi�
schen Facetten, die Sinnhaftigkeit politischer Organisierung zu bestrei�
ten, so ist die politische Organisierung und der Klassenkampf f�r Marx
erst ein Mittel den �konomischen Gesetzen zum Durchbruch zu verhel�
fen. So w�re etwa f�r Marx der �bergang vom absoluten zum relativen
Mehrwert, d. h. der �bergang von der Verl�ngerung des Arbeitstages
zur Intensivierung des Arbeitsprozesses, nicht m�glich gewesen, h�tte
es nicht einen politischen Kampf um die Verk�rzung des Arbeitstages
gegeben. Da die Entwicklung des Reallohnes nicht blo� Ergebnis
�konomischer Entwicklungen ist, kann es keine rein �konomische
Theorie des Lohnes geben. Der Verweis auf den Klassenkampf macht
eine geschlossene Theorie des Reallohnes unm�glich. Nicht der theore-
tisierende Marx versagt, sondern das Problem entzieht sich der
geschlossenen Darstellung.
Solange Marx theoretische �konomie betreibt, das Proletariat als
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