Full text: Expansion, Stagnation und Demokratie - 1982 Heft 2 (2)

Stagnation und Expansion
Eine vergleichende Analyse der wirtschaftlichen
Entwicklung in der Ersten und Zweiten Republik
Eduard März und Maria Szecsi
I. Die wirtschaftliche und politische Geschichte der Ersten Republik
kann mit den knappen Worten „Krise in Permanenz" zusammengefaßt
werden. Im krassen Gegensatz dazu präsentiert sich die bisherige
Geschichte der Zweiten Republik, die im Zeichen starker wirtschaftli¬
cher Auftriebskräfte, wachsenden Wohlstands und der Konsensbereit¬
schaft der großen politischen Parteien steht.
Im folgenden soll die „permanente Krise" der Ersten Republik mit
Hilfe einiger charakteristischer Zahlenreihen dargelegt werden. Im
Anschluß daran werden die Faktoren und deren relative Bedeutung
untersucht, die uns für die wirtschaftliche Entwicklung (bzw. Fehlent¬
wicklung) relevant erscheinen. Wir stützen uns dabei vornehmlich auf
eine verdienstvolle historische Studie des Österreichischen Instituts für
Wirtschaftsforschung'. Betrachten wir zunächst die Entwicklung des
BNP je Einwohner während der Jahre 1913 bis 1937.
Brutto-Nationalprodukt (real) je Einwohner
(1913 = 100)
1913 1920 1924 1929 1933 1937
100 69,6 91,3 106,7 81,7 91,1
In der obigen Zahlenreihe fehlt es an Angaben für die unmittelbare
Nachkriegszeit, aber es muß angenommen werden, daß das BNP je
Kopf in den Jahren 1918 und 1919 kaum die Hälfte des letzten
Vorkriegsjahres betragen hat. Die Aufwärtsbewegung der folgenden
Jahre verläuft äußerst schleppend. Das Niveau von 1913 wird erst in der
zweiten Hälfte der zwanziger Jahre erreicht und in den Jahren 1928 und
1929 leicht überschritten. Die nun einsetzende Wirtschaftskrise trifft
Österreich besonders hart und schmerzlich. Im Jahre 1933, nachdem
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