Full text: Expansion, Stagnation und Demokratie - 1982 Heft 2 (2)

3. Die Verteilungspolitik erzielte bloß marginale Erfolge
4. Die Grenzen einer erfolgversprechenden Ablaufpolitik sind in den
meisten Bereichen objektiv erreicht
5. Weltweite Probleme sind in Zukunft auf nationaler Ebene nicht zu
lösen
6. Ablaufpolitik in Zukunft auf der Basis internationaler Abstimmung
einsetzbar
7. Neue Weltwirtschaftsordnung unverzichtbar
8. Vergesellschaftung des technischen Fortschrittes erforderlich
9. Internalisierung der Ökologie notwendig
10. Bewältigung des gesellschaftlichen Akzeptanzproblems wohlfahrts¬
staatlicher Einrichtungen unerläßlich
Die nicht wegzuleugnenden weltwirtschaftlichen Erfolge der 37jähri-
gen Nachkriegsgeschichte kamen nicht von ungefähr. Auf der Basis
eines durch Weltwirtschaftskrise und kriegswirtschaftliche Entwick¬
lungen zurückgestauten Nachholbedarfs sowie eines europäischen und
japanischen Wiederaufbaubedarfs konnte ein technologisches Innova¬
tionspotential wirksam werden, das durch technische, wirtschaftliche
und organisatorische Kriegsanstrengungen in besonderem Maße ange¬
reichert worden war. Der institutionelle Rahmen war mit Gründung des
Weltwährungsfonds, der Vereinten Nationen und des GATT innovativ
neu gestaltet worden und bot ein hinreichendes Maß an politischer
ebenso wie währungs- und handelspolitischer Überschaubarkeit und
Sicherheit. Nach erfolgreichem Wiederaufbau schickte sich sogar der
Osten an, den Westen auf wirtschaftlichem Gebiet zu einer Leistungs¬
konkurrenz aufzufordern. Nicht zuletzt befruchtete auch die Dekolonia-
lisierung denWelthandel. Nicht nur rückschauend konnte der Eindruck
entstehen, als ob die Setzung einiger weniger weltwirtschaftlicher
Ordnungselemente ausgereicht hätte, ein gleichsam naturgesetzliches
Wirtschaftswachstum zu ermöglichen, dessen Motor das einzelwirt¬
schaftliche Gewinnstreben war.
In dem Maße, als das Sein das Bewußtsein schafft, begann die
Nationalökonomie sich mit Theorie und Politik des Wirtschaftswachs¬
tums zu beschäftigen und die Politik der Regierungen rezipierte dieses
Gedankengut mehr oder minder ausdrücklich. Das Interesse der Regie¬
renden war ein evidentes, bot doch rasches Wirtschaftswachstum, das
beinahe selbsttätige perpetuum mobile, die Möglichkeit, nationale
Entwicklungsrückstände aufzuholen und die soziale Frage schmerzlos
zu beantworten.
Rasches Wirtschaftswachstum hatte nebenbei zur Folge, daß der
Konjunkturverlauf flacher und entdramatisiert wurde. Das Wissen um
Vollbeschäftigungstheorie und -politik hatte es schon zuvor gegeben. In
dem Maße, als es sich verbreitete und von mehr und mehr Staaten
rezipiert wurde, machte auch das Wort: „Konjunkturen sind nicht mehr
unser Schicksal, sondern unser Wille" international die Runde. Die
Tatsache raschen Wirtschaftswachstums bei Vollbeschäftigung und die
Verfügbarkeit von Wachstums- sowie Vollbeschäftigungstheorie und
-politik ließen beides, nämlich Realität und Theorie als Einheit, mehr
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