Full text: Expansion, Stagnation und Demokratie - 1982 Heft 2 (2)

eine Erklärung sein, warum der relative Preis der dauerhaften Konsum¬
güter mit deren Verbreitung sinkt.
Diese Bemerkungen bedeuten nicht, daß es ein Gesetz des relativ
sinkenden Preises für mengenmäßig stark steigende Güter gibt. Man
könnte auch Argumente finden, die in die umgekehrte Richtung gehen
(z. B. Verknappung der gegebenen Ressourcen, die das mengenmäßig
stark steigende Gut intensiv beansprucht). Würden die relativen Preise
der mengenmäßig stark steigenden Güter auch steigen, müßten in der
Abb. 3 entsprechende Änderungen vorgenommen werden, das Problem
würde jedoch mit umgekehrten Vorzeichen weiterbestehen.
10. Der Umstand, daß der Vergleich der realen Sozialprodukte zweier
Länder (mindestens) zwei Ergebnisse bringt, bedeutet offensichtlich,
daß kein Resultat als endgültig betrachtet werden kann. Welches
Resultat relevant ist, hängt entscheidend von dem Charakter der Frage
und davon, wer die Frage stellt, ab. Nehmen wir am Anfang an, daß die
Frage sich auf den Wohlfahrtaspekt des Sozialproduktes bezieht, wobei
angenommen wird, daß die Wohlfahrt desto größer ist, je größer das
reale Sozialprodukt ist. Für Überlegungen dieser Art scheint das eigene
Preissystem ausschlaggebend zu sein. Nehmen wir das Land B: für die
Konsumenten dieses Landes ist eine Einheit des Gutes 2 mit (1/ß)
Einheiten des Gutes 1 gleichwertig. Es scheint daher sinnvoll dieses
Preisverhältnis auch bei Bewertung des realen Sozialproduktes des
Landes A anzuwenden. Daraus ergibt sich die Äquivalenz der Punkte A
und A'. Das Verhältnis der beiden realen Sozialprodukte ist unter
diesen Umständen (OB/OA') bzw. (OD/OA) gleich.
Nehmen wir jetzt das Land A: aus der Sicht der Konsumenten in
diesem Land ist das Preissystem a relevant. Für sie ist eine Einheit des
Gutes 2 mit (1/a) Einheiten des Gutes 1 äquivalent, wobei wegen ß>a die
Ungleichheit (l/a)> (1/ß) gilt. Dieses Preisverhältnis spiegelt die große
Gewichtung des Gutes 1 bei den Konsumenten des Landes A. Aus
diesen Überlegungen ergibt sich die Äquivalenz der Punkte B und B'
und der Vergleich der beiden Produkte ist durch das Verhältnis (OB'/
OA) bzw. (OB/OC) bestimmt.
Wir kommen zum Schluß, daß das eigene Preissystem jeweils als das
geeignete erscheint. Das Übergewicht des Landes B über das Land A ist
aus der Sicht der Konsumenten in A größer als derjenigen in B. Es ist
natürlich, daß diese Lösung nicht leicht akzeptiert wird. Man erwartet
eine eindeutige Antwort auf die Fage bezüglich des Vergleiches zweier
realer Sozialpunkte. Die übliche Lösung besteht in der Form des Fisher-
Indexes (V(OB/OA') (OB/OC), der eine eindeutige Antwort liefert.
Diese Lösung bedeutet, daß ein Punkt gewählt wird, der zwischen A'
und C liegt und einem Preissystem zwischen a und ß entspricht.
Während sich Argumente, wie wir gesehen haben, sowohl für das eine
wie auch das andere finden lassen, gibt es kaum eine theoretische
Begründung für die Zwischenlösung. Ihr einziger Vorteil ist die Eindeu¬
tigkeit.
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