Full text: Expansion, Stagnation und Demokratie - 1982 Heft 2 (2)

Marxistische Theorie, wirkliche
Bewegung und Demokratie
Ernst Wangermann
Marx und Engels faßten den Utopischen Sozialismus Saint-Simons,
Fouriers und Owens als Widerspiegelung einer frühen Phase der
kapitalistischen Entwicklung auf. Diese hätten zwar den „Gegensatz
der Klassen" erkannt, aber sie erblickten auf der Seite der Arbeiter
„keine geschichtliche Selbsttätigkeit, keine (ihnen) eigentümliche poli¬
tische Bewegung". Daher mußte bei ihnen an die Stelle der noch
fehlenden gesellschaftlichen Tätigkeit „ihre persönliche erfinderische
Tätigkeit", und an die Stelle der noch kaum bemerkbaren Organisation
der Arbeiter zur Klasse eine „eigens ausgeheckte Organisation der
Gesellschaft" treten. Deshalb konzentrierten die Utopisten ihre Tätig¬
keit auf Propaganda und auf die „praktische Ausführung ihrer Gesell¬
schaftspläne"1. Ihr Bestreben wäre es letzten Endes, „ein neues voll¬
kommenes System der gesellschaftlichen Ordnung zu erfinden, und
dieses der Gesellschaft von außen her, durch Propaganda, womöglich
durch das Beispiel von Musterexperimenten aufzuoktroyieren"2. Spä¬
ter, als die gesellschaftliche Selbsttätigkeit der Arbeiter angefangen
hatte und sie bereits darangingen, sich als Klasse zu organisieren,
konnten sich die noch überlebenden Utopisten dem veränderten gesell¬
schaftlichen Sachverhalt nicht anpassen. Sie traten der neuen Bewe¬
gung der Arbeiter mit Erbitterung entgegen, weil diese in verschiedener
Hinsicht mit den von ihnen entwickelten Systemen nicht vereinbar war,
und „blinden Unglauben an das neue Evangelium" bezeugte3.
Die neue fortgeschrittenere Phase der kapitalistischen Entwicklung,
welche durch die anfangende Selbsttätigkeit der Arbeiter und deren
Organisation zur Klasse gekennzeichnet war, setzte nach Meinung von
Marx und Engels um etwa 1830 ein. Die Aufstände der Arbeiter in Lyon
von 1831 und 1834; der schlesische Weberaufstand von 1844; die
Erscheinung der „ersten nationalen Arbeiterbewegung" der Chartisten
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