Full text: Expansion, Stagnation und Demokratie - 1982 Heft 2 (2)

Stagflation: Was bleibt von der
Phillipskurve?
K. W. Rothschild
„Über die fatale Macht alter Denkge¬
wohnheiten ist schon oft sinniert wor¬
den; im konkreten Fall ist es darum
nicht leichter, sie zu durchbrechen"
(Theodor Prager)*
I
Vor nahezu einem Vierteljahrhundert, im Jahre 1958, erschien jener
berühmte Aufsatz von Phillips1, der die Grundlage für die seither in
unzähligen wirtschaftstheoretischen wie wirtschaftspolitischen Schrif¬
ten und Debatten herumgeisternde Phillipskurve bildete. Dieser Auf¬
satz war alles andere als sensationell. Er zeigte an Hand langjähriger,
wenn auch nicht absolut verläßlicher Daten, daß zwischen Lohninfla¬
tion und Arbeitslosigkeit ein inverser Zusammenhang besteht: je höher
die Inflationsrate, desto niedriger normalerweise die Arbeitslosigkeit
und umgekehrt. Diese Erkenntnis war nicht nur nicht neu - sie war
schon früher in theoretischen und ökonometrischen Studien ohne
großes Tam-tam berücksichtigt worden2 sie ist auch ohne großes
ökonomisches Wissen für jedermann einleuchtend. Denn es entsprach
einer langjährigen Erfahrung, daß im Auf und Ab des Konjunktur¬
zyklus Preise, Löhne und Beschäftigung eine parallele Tendenz zu Auf-
und Abwärtsbewegungen haben. Dies genügt, um den stipulierten
Zusammenhang zwischen Lohninflation und Arbeitslosigkeit plausibel
zu machen.
* Konkurrenz und Konvergenz, Wien 1972, S. 11.
183
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.