Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1985 Heft 3 (3)

Der Alternativsektor - Produktion
zwischen Utopie und
Notwendigkeit: Das Beispiel
Berlins
Franz-Josef Bartsch und Dieter Rulf
Seit Mitte der 70er Jahre ist die Zahl der Betriebe und Projekte, die
aus der sog. Alternativbewegung hervorgehen, so gewachsen, daß von
einem eigenen Wirtschaftssektor gesprochen werden kann. Während in
anderen Bereichen verstärkt Arbeitsplätze abgebaut wurden, sind im
Alternativsektor zunehmend neue Arbeitsplätze entstanden. Am Bei¬
spiel Berlins sind wir der Frage nachgegangen, welchen Beitrag alterna¬
tiv-ökonomische Betriebe (im folgenden auch selbstverwaltete Betriebe
genannt) zur Bekämpfung der nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit
leisten, und unter welchen Bedingungen die Beschäftigungseffekte
noch erhöht werden können1.
Um die beschäftigungspolitische Bedeutung dieses Sektors und die
in ihm liegenden Entwicklungspotentiale erfassen zu können, müssen
die wesentlichen Charakteristika alternativen Wirtschaftens berück¬
sichtigt werden. Diese resultieren aus dem - im Gegensatz bzw. in
Ergänzung zum rein marktorientierten Wirtschaften - veränderten
Verständnis, welches die Mitarbeiter/innen alternativer Betriebe in
bezug auf die Form und den Inhalt ihres Arbeitsprozesses haben:
Zum einen sollen neue Arbeitsplätze selbst geschaffen werden. Zum
anderen sollen durch die Einführung neuer Organisations- und Arbeits¬
formen, sowie durch die Orientierung der Produktion an gesellschaft¬
lich nützlichen Produkten Arbeitszusammenhänge entwickelt werden,
die eigene und selbstbestimmte Lebensformen ermöglichen. Beabsich¬
tigt ist, die von der Alternativbewegung an den Erscheinungsformen
der modernen Industriegesellschaft geübte Kritik, welche sich vor
allem an den gesellschaftlichen und sozialen Kosten einer gewinn-
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