Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1990 Heft 1 (1)

unvermeidlich und somit - kurzfristig unprofitable - Unter­
stützungen aus dem Westen nötig. 
Die Probleme, die es zu beseitigen gilt, sind vielfältiger 
Natur. Ein effizientes, dezentrales, marktwirtschaftliches 
System erfordert funktionierende relative Preise auf Güter-, 
Kapital- und Arbeitsmärkten. Somit genügt nicht die Koope­
ration mit westlichen Unternehmen, sondern es bedarf einer 
Freigabe der Preisbildung, einer Kalkulation in den Wirt­
schaftseinheiten auf allen Ebenen. Administrierte und sub­
ventionierte Preise können allerdings dort beibehalten wer­
den, wo gesamtwirtschaftlicher Steuerungsbedarf besteht. 
Die zu erwartenden Strukturanpassungen erfordern wie­
derum Maßnahmen zur sozialpolitischen Absicherung, z. B.  
eine Arbeitslosenunterstützung. Es müssen die rechtlichen 
Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, daß die Kom­
petenz und auch die Haftung für betriebswirtschaftliche 
Entscheidungen vom Staat auf die einzelnen Wirtschaftsein­
heiten übergeht. 
Zur langfristigen Sicherung der ökonomischen Entwick­
lung, zur Lösung der Probleme bei der Modernisierung und 
Produktivitätssteigerung, für die entsprechende Versorgung 
von Unternehmen und Haushalten, ist eine Neugestaltung 
der internationalen Wirtschaftsbeziehungen ein entscheiden­
des Element der Reformen, die somit eine Aufgabe der 
bisherigen Trennung zwischen binnenwirtschaftlicher und 
außenwirtschaftlicher Sphäre bedingen. 
Auf östlicher Seite ist darauf zu achten, daß die Exporte in 
den Westen nicht zu subventionierten Dumping-, sondern zu 
Marktpreisen erfolgen, was einer raschen Modernisierung der 
Industriestruktur bedarf. Wissenschaftlich-technischer Fort­
schritt muß in exportfähigen Produkten einen Niederschlag 
finden, und die westlichen Handelspartner müssen auf sta­
bile, ausgereifte, gesetzliche Regelungen bezüglich Außen­
handel, Investitionsschutz, Zolltarife und Bankgarantien auf­
bauen können. Mittelfristig wird auch ein Konzept zur Kon­
vertibilität der Ostwährungen erarbeitet werden müssen. 
Daraus ergibt sich die Frage, in welcher Weise der Westen 
hilfreich zu dieser Entwicklung beitragen und gleichzeitig 
seine wirtschaftlichen Interessen wahrnehmen kann. Eine 
große Zahl von Produktionsanlagen in Osteuropa stammt aus 
der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und ist hoffnungs­
los veraltet. Aufgrund der Dezentralisierung und des Devi­
senmangels ist kaum mehr mit dem Import schlüsselfertiger 
Anlagen zu rechnen, sondern mit einem Bedarf nach Maschi­
nen, Ausrüstungen und Werkzeugen, was zur Modernisierung 
der Leichtindustrie, zur Effizienz- und Produktivitätssteige­
rung unumgänglich ist. Daraus ergeben sich besondere Chan-
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