Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1990 Heft 3 (3)

Betriebsebene. Während in den einzelnen Betrieben die 
Arbeitskosten infolge des Stellenwertes zugekaufter Vorlei­
stungen einen vergleichsweise geringen Anteil der Gesamt­
kosten ausmachen, betragen sie auf gesamtwirtschaftlicher 
Ebene siebzig Prozent und mehr der Wertschöpfung. 
5. Ist eine Situation durch eine erhebliche Teuerungsrate 
gekennzeichnet, und ist zudem der marginale Steuersatz 
aufgrund von kalter Progression und diskretionären Anhe­
bungen hoch, müssen umfassende Verbände fiskalische 
Externalitäten zur Kenntnis nehmen. Der Versuch, auf zen­
traler Ebene die Nettoreallöhne mittels höherer Nominal­
lohnforderungen zu steigern, ist hier zum Scheitern verur­
teilt, da der Großteil von Steuern und Inflation absorbiert 
wird, und beschleunigt die Inflation weiter ("tax-push infla­
tion"). Ferner führt die Tatsache, daß verschiedene Arbeit­
nehmergruppen unterschiedlich von der Besteuerung betrof­
fen sind, bei unkaardinierten Verhandlungen zu inflationä­
rem "leapfrogging". Auch die realen Nettounternehmensge­
winne schwinden infolge dieser Zusammenhänge. 
Mithin bestehen für die umfassenden Verbände starke 
Anreize, durch moderate Abschlüsse diese fiskalischen 
Externalitäten zu internalisieren. Bei dezentralen Verhand­
lungen existieren aufgrund des Gefangenendilemmas und 
der Problematik des öffentlichen Gutes keinerlei derartige 
Anreize. 
6. Sozialpartnerschaftliehe Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Be­
ziehungen tragen wesentlich dazu bei, den sozialen Frieden in 
den betreffenden Ländern zu sichern, also die Anzahl, Dauer 
und den Erfassungsgrad von Streiks sowie die mit diesen 
zwangsläufig verbundenen Reibungsverluste (Produktions­
ausfälle) auf ein Mindestmaß herabzudrücken. Für diese 
konfliktminimierende Wirkung sind zwei Gründe maßgeb­
lich. Erstens sind Streiks als das Ergebnis eines mangelhaften 
Informationsstandes der Konfliktparteien über die jeweilige 
Gegenseite anzusehen. Die häufigen Kontakte auf verschie­
denen Ebenen im Rahmen der einkommenspolitischen 
Arrangements verbessern den Informationsstand aller 
Akteure über die Konzessionsbereitschaft der Gegenseite. 
Mehr Information über die Lage der Unternehmungen, insbe­
sondere die Quasirenten, auf seiten der Gewerkschaften und 
mehr Wissen der Arbeitgeberverbände über den Informa­
tionsstand der Gewerkschaften reduzieren mithin die Streik­
häufigkeit. Zweitens sind Streiks und/oder Aussperrungen, 
die aus dem Scheitern von Verhandlungen auf zentraler 
Ebene resultieren, mit besonders hohen sozialen Kosten 
verbunden. Da keine der involvierten Konfliktparteien die 
während des offenen Konflikts eintretenden Verluste zurück-
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