Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1990 Heft 4 (4)

Flexibilisierung des 
Arbeitsrechts? 
Peter Rosner 
Staatliche Regulierung von Arbeitsverhältnissen wird traditionell 
unter dem Gesichtspunkt der "Stärke" und "Schwäche" der Partner am 
Arbeitsmarkt gesehen: Die Arbeitnehmer müssen, weil sie die Schwä­
cheren sind, durch Gesetze geschützt werden. Derartige Aussagen sind 
aber in der ökonomischen Theorie nur schwer präzise zu argumentie­
ren1. Diese geht nämlich davon aus, daß Individuen nur dann Verträge­
also auch Arbeitsverhältnisse - eingehen, wenn ihnen daraus ein Vorteil 
entsteht. So schlecht auch ein Arbeitsverhältnis für einein Beschäftigte/ 
n sein mag, so ist erstens diese Beschäftigung besser als arbeitslos zu 
sein - andernfalls wäre der Arbeitsplatz nicht akzeptiert worden -, und 
zweitens sind schlechte Arbeitsverträge, unter der Annahme von Kon­
kurrenz am Arbeitsmarkt, eine Folge niedriger Produktivität. Eine 
Regulierung von Arbeitsverhältnissen ist entweder eine gesetzliche 
Festschreibung bestehender Marktresultate oder aber eine Beschrän­
kung der Vertragsfreiheit und daher abzulehnen. Sie wäre im ersten 
Fall wirkungslos und würde im zweiten Fall im Wege der Karteliierung 
des Arbeitsangebotes zu einer geringeren nachgefragten Beschäftigung 
führen als ohne Regulierung. Darüber hinaus käme es zu einer Umver­
teilung von den Konsumenten zu den betreffenden Arbeitskräften. 
Solche Umverteilungen können in der Wirtschaftstheorie aber nur 
schwer gerechtfertigt werden, da intersubjektive Nutzenvergleiche 
nicht zulässig sind. Diesem methologischen Postulat entspricht schließ­
lich die Forderung nach einer Deregulierung des Arbeitsmarktes. 
In dieser Arbeit werden nun Argumente für zentrale Regulierungen 
von Arbeitsverhältnissen im Rahmen der Wirtschaftstheorie gebracht. 
Es wird gezeigt, daß, wenn man den methologischen Individualismus 
als Fundament der Ökonomie akzeptiert, ein ungeregelter Arbeitsmarkt 
nicht notwendigerweise effiziente Zustände garantiert. Dies beruht 
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