Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1990 Heft 4 (4)

JAPAN, DIE STRATEGIE DES SIEGERS Rezension von: Michael Schano, Japan, Die Strategie des Siegers. Orac Verlag, Wien 1990, 224 Seiten Michael Schano plaudert in seinem Buch im journalistisch-lockeren Stil über eine Reihe von für westliche Le­ ser interessante Besonderheiten und Erfolgsgeheimnisse japanischer Fir­ men und Manager. Das große Ver­ dienst des Buches, das nur auf den ersten Blick oberflächlich wirkt, ist, daß es dem Nicht-Japan-Kenner erste, gut fundierte Einblicke und dem Ja­ pan-Kenner historische Erklärungen für von ihm selbst schon wahrgenom­ mene und oft unerklärliche Phänome­ ne bietet. Diese Einblicke mit histori­ schem Hintergrund beziehen sich ebenso auf japanische Umgangsfor­ men, japanisches Demokratiever­ ständnis und gesellschaftliche Un­ gleichheit wie auf die wirtschaftliche Entwicklung und die Mechanismen, die zum fulminanten wirtschaftlichen Erfolg der "Japan Inc." geführt haben. Schano dokumentiert anhand einer Reihe von Kennzahlen den sichtbaren Erfolg der "bestgemanagten Volks­ wirtschaft der Welt". So ist das BIP Japans mit über 2.400 Milliarden US­ Dollar das zweithöchste der Welt und mit einem Weltanteil von 15 Prozent halb so groß wie das der USA, doppelt so groß wie das der BRD und zwanzig Mal größer als das Österreichs. Ge­ messen am Pro-Kopf-Einkommen stand Japan 1970 noch an zwanzigster Stelle der Weltrangliste; 1989 lag es - gemeinsam mit der Schweiz - mit über 23.000 Dollar pro Kopf und Jahr an der Spitze! Die japanische Wirtschaft wuchs in den letzten Jahren um etwa 5 Prozent jährlich und damit wesentlich mehr als alle anderen OECD-Länder (mit Ausnahme Österreichs). Japan schwimmt in Geld und weist mit 18 Prozent am BIP die höchste Sparquo­ te auf. Nicht zuletzt deshalb geht es den japanischen Kommerzbanken überaus gut und halten in der Liste der 10 größten Banken der Welt die Japaner derzeit alle Plätze! Damit im Zusammenhang steht die Tatsache, daß Japan mit einem vergebenen Kre­ ditvolumen von 1560 Milliarden Dol­ lar Gläubigernation Nummer eins der Welt ist. Die Handelsbilanzüberschüs­ se erreichen fast jedes Jahr Spitzen­ werte, die Japaner tragen mittlerweile ein Viertel zum amerikanischen Au­ ßenhandelsungleichgewicht bei. Aber auch die ASEAN-Staaten (15 Milliar­ den Dollar Negativsaldo), die EG-Län­ der (24 Milliarden Dollar Negativsal­ do), Schweiz, Österreich u. v. a. haben mit der japanischen Importflut zu kämpfen. Das Verhältnis österreichi­ scher Exporte zu japanischen Impor­ ten beträgt 1 : 5 und ist damit das ungünstigste eines westlichen Indu­ striestaates zu Japan überhaupt. Alle diese Daten deuten darauf hin, daß · sich Japan mit seiner geballten Unter­ nehmenspotenz, mit seiner Finanz­ kraft und seinem weltumspannenden Informationssystem zur führenden Wirtschaftsmacht des kommenden Jahrhunderts emporzukatapultieren scheint. In den letzten Jahren nahm zudem die wachsende Direktinvestitionstä­ tigkeit japanischer Firmen stark zu: Konzerne, wie Nissan, Toyota, Ricoh, Sony, Canon oder JVC, verfügen nicht nur über ein weltweites Handelsnetz, sondern auch über eigene Fabriken im Pazifischen Raum, den USA und Eu­ ropa. Die geplante Verwirklichung des EG-Binnenmarktkonzeptes bis 1992 zieht die Japaner magnetisch an. Nichts fürchten sie mehr als einen geschlossenen europäischen Markt mit protektionistischen Vorschriften, wie Dumping-Strafzöllen oder Ur- 571

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