Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1990 Heft 4 (4)

ausgegeben, der Anteil der aktiven Maßnahmen betrug 1,81 Prozent (1980/81 war die Relation 2,4 : 2,02). Anfang der achtziger Jahre wurde die Arbeitsmarktverwaltung refor­ miert. Man ging dazu über, Ziele vorzugeben, aber keine detaillierten Vorschriften, wie diese Ziele erreicht werden sollten (management by objectives). Die politischen Zielsetzungen sind in den letzten Jahren immer allgemeiner geworden und haben sich zu Richtlinien entwickelt, wobei immer weniger quantitative Ziele vorgegeben werden. Die Richtlinien für 1990/91 betreffen vier Aufgabenbereiche: 1 . Engpässen am Arbeitsmarkt entgegenzuwirken 2. Dauer der Arbeitslosigkeit zu verkürzen 3. Randgruppen besonders zu betreuen 4. intensiv mit der Sozialversicherung zusammenzuarbeiten. Der letzte Punkt bezieht sich auf die Tatsache, daß zu viele qualifi­ zierte Arbeitskräfte aus Gesundheits- oder Altersgründen vorzeitig pensioniert werden. Das sei ein sehr kostspieliger Prozeß für den einzelnen, den Staat und die gesamte Volkswirtschaft und mit ein Grund für den Arbeitskräftemangel in vielen Bereichen. Es gilt nicht nur, eine solche Verdrängung aus der Arbeitswelt zu verhindern, sondern auch durch aktive Maßnahmen die Rückkehr schon ausge­ schiedener Arbeitskräfte ins Erwerbsleben zu ermöglichen. Dieses Ziel entsteht aus der konsequenten Anwendung der Arbeits­ strategie ("Arbeitslinie") auch im sozialen Bereich. Arbeitslinie wird als Gegensatz zur Unterstützungslinie gesehen und bedeutet eine gesell­ schaftliche Präferenz dafür, daß Arbeitslosen bzw. Behinderten eine Ausbildung oder Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt werden, statt sich mit Unterstützungszahlungen zu begnügen. Wobei im Normalfall der konkrete Arbeitsplatz Vorrang vor Bildungsmaßnahmen hat. Die Tätigkeit der Arbeitsämter wird laufend durch Indikatoren EDV­ mäßig dargestellt (active monitoring). Neben dem Vergleich von Kenn­ zahlen (Dauer der Arbeitslosigkeit, Laufzeit offener Stellen) wird die Tätigkeit der einzelnen Arbeitsämter in regelmäßigen Abständen von der Forschungsabteilung der AMS analysiert und in gemeinsamen Beratungen werden spezifische Probleme im jeweiligen Bereich zu lösen versucht. Ebenso hat jedes Arbeitsamt einen dreiparitätischen Verwaltungsrat, der vierzehntägig tagt und die Tätigkeit der Arbeits­ marktverwaltung mitbestimmt. Daneben wird die Wirksamkeit einzelner Maßnahmen bei der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit laufend evaluiert. Auch die Einschät­ zung des Arbeitsmarktservice durch die Konsumenten wird erhoben. Größere Unternehmen haben mehr Kontakt und eine bessere Meinung. Kleinere Unternehmen wollen Hilfe bei der Personalauswahl (scree­ ning). Angesichts der Diskussion um die Neuorganisation der Arbeits­ marktverwaltung in Österreich ist besonders zu prüfen, wo schwedi­ sche Problemlösungen zum Vorbild dienen können und welche Voraus­ setzungen für eine erfolgreiche Übertragung auf Österreichische Ver­ hältnisse gegeben sein müßten. 515

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