Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1990 Heft 4 (4)

BÜCHER 
WIEDERSEHEN MIT ALTEN 
BEKANNTEN 
Rezension von: Beat Meier, 
John Kenneth Galbraith und seine 
Wegbereiter, Verlag Rüegger, 
Grüsch 1989, 306 Seiten, sfr 28,-
Wie doch die Zeit vergeht. Kaum hat 
man selbst über die Überflußgesell­
schaft die Bekanntschaft mit Gal­
braith gemacht, schon ist sein Werk 
Gegenstand akademischer Analysen! 
Welche Gelegenheit, denkt man, nun 
auch jene Bücher näher kennenzuler­
nen, die man immer schon (fertig) 
lesen wollte. Und die der Vorläufer 
endlich auch! Steht nicht Veblens 
"Theorie der feinen Leute" als deut­
sche Taschenbuchausgabe des 
Fischerverlages schon seit 1986 ange­
lesen im Bücherkasten? 
Die an- und aufregende Lektüre von 
"J ohn Kenneth Galbraith und seine 
Wegbereiter" hat mich in kürzester 
Zeit dazu gebracht, alle in unmittelba­
rer Reichweite befindlichen zitierten 
Bücher ebenfalls zu konsultieren. Was 
angesichts der Fülle des verwendeten 
Materials ja nur ein kaum erwähnens­
werter Anteil ist, mir aber hilft, den 
Widerspruch, den ich zu Aussagen 
und Bewertungen von Beat Meier an­
melde, besser zu begründen. 
Meier bezeichnet sich selbst als 
Hauptfachhistoriker und Laienöko­
nom. Ich bin als Ökonomin einer in­
stitutionalistischen und politischen 
Richtung der Ökonomie verpflichtet 
und schätze realitätsnahe Analysen 
mehr als schöne Theoriegebäude. 
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Mein Zugang zum Werk Galbraiths ist 
daher sehr verschieden von jenem, der 
im vorliegenden Buch gewählt wurde. 
Aber gegen die gewählte Vorgangs­
weise lassen sich Einwände vorbrin­
gen, die nicht nur durch den unter­
schiedlichen professionellen Aus­
gangspunkt bedingt sind. 
Meier geht von folgenden Fragestel­
lungen aus: 
1 .  Wie charakterisiert Galbraith die 
moderne (amerikanische) Industrie­
gesellschaft? 
2. Welche seiner Ideen bleiben in sei­
nen Büchern konstant bzw. wan­
deln sich im Laufe der Zeit? 
3. Ist Galbraith selbst eine prägende 
Kraft oder nur Ausdruck der herr­
schenden Zeitströmung? 
4. Wie rezipieren jeweils die zeitgenös­
sischen Kritiker seine Werke? 
5. Wieweit ist er original? Woher stam­
men seine Ideen? 
6. Wo konkret könnte sich Galbraith 
auf wen abgestützt haben? (S 1) 
Die nach meinem Dafürhalten wich­
tigste Fragestellung, nämlich die nach 
den jeweils aktuellen Wirtschaftspro­
blemen, mit denen sich Galbraith, sei­
ne Wegbereiter und seine kritischen 
oder zustimmenden Zeitgenossen 
konfrontiert sahen, fehlt. 
Der Autor strebt einen direkten 
Quellenbezug an, um vor allem eine 
vergleichende Textanalyse zu ermög­
lichen. "Das Verstehen aus der Quelle 
heraus und in ihrem größeren Zusam­
menhang ist hier ein wesentliches 
Ziel." (S. 3) Ich bezweifle, daß das eine 
geeignete Methode ist, um die Bedeu­
tung eines Ökonomen, der die wirt­
schaftlichen Lebensumstände von 
Menschen aus den gesellschaftlichen 
und institutionellen Gegebenheiten 
ableitet und der auch der Ausübung 
von (wirtschaftlicher) Macht nicht 
blind gegenübersteht, nach den für 
ihn relevanten Kriterien zu zeigen.
        

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