Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1990 Heft 4 (4)

herer Arbeitsprodukivität (geringerer Personalkostenintensität, geringerer Investitionsneigung). Diese Operatio­ nalisierung des Begriffs der stabili­ tätspolitischen Effizienz impliziert so­ fort einen Antagonismus zur betriebs­ wirtschaftlichen Effizienz bezüglich der Arbeitsproduktivität und der Per­ sonalkostenintensität. Nur hinsicht­ lich der Investitionsneigung besteht Übereinstimmung darüber, daß eine höhere Ausprägung der Variablen in jedem Falle effizienter ist. Selbst wenn man diese Operationa­ lisierung akzeptiert (die Autoren war­ nen selbst davor, das Konzept der stabilitätspolitischen Effizienz über­ zustrapazieren), ergibt sich ein Pro­ blem bei der Interpretation der empi­ rischen Ergebnisse. Wenn sich die wirtschaftspolitischen Entschei­ dungsträger der öffentlichen Unter­ nehmungen als beschäftigungspoliti­ sches Instrument bedienen, ist ein hö­ herer Personalaufwand zu erwarten als in Unternehmungen, die keine Be­ schäftigungsauflagen erfüllen müs­ sen. Da man aber den Personalauf­ wand nur ex post, also nach Einhal­ tung der beschäftigungspolitischen Auflagen, beobachten kann, ist der Einsatz öffentlicher Unternehmungen als Instrument der Wirtschaftspolitik gemessen am Schneider/Bartel-Krite­ rium automatisch effizient. Ein weiteres Problem, das praktisch alle Kostenvergleichsstudien betrifft, besteht in der Überprüfung der öko­ nomischen Effizienz. Es ist nicht über­ raschend, wenn eine Unternehmung mit Beschäftigungsauflage mit höhe­ ren Personalkosten produziert als ihr unreguliertes privates Pendant (von der Marktstruktur abstrahieren wir). Ignoriert man den Umstand, daß dem öffentlichen Unternehmen bestimmte Vorgaben aufgebürdet werden, dann sind die privaten Unternehmungen immer effizienter. Ob aber der Be­ schäftigtenstand (beispielsweise) mit den geringsten Kosten, also effizient, gehalten wurde oder nicht, wird nicht untersucht. Rückschlüsse auf die be- triebswirtschaftliche Effizienz in Ab­ hängigkeit von den Eigentumsverhält­ nissen sind nur dann zulässig, wenn keine gemeinwirtschaftliehen Bin­ dungen bestehen (dann erübrigt sich aber auch die Untersuchung der sog. beschäftigungspolitischen Effizienz). Schneider und Bartel bieten einen ausführlichen Überblick über jene Ar­ gumente, die für eine höhere Effizienz von Privatunternehmungen sprechen (das sind vor allem die positive Theo­ rie der Wirtschaftspolitik, die Theorie der Eigentumsrechte, die ökonomi­ sche Theorie der Bürokratie und die Theorie der X-Ineffizienz nach Lei­ benstein). Auch die empirischen Er­ gebnisse internationaler Effizienzana­ lysen werden kurz und übersichtlich präsentiert. Die Analyse der statistischen Mittel­ werte für die Österreichischen Daten ergibt folgendes Bild: Die Autoren stellen "in groben Zügen eine Überle­ genheit der Privatwirtschaft in der ökonomischen Effizienz und einen Vorsprung der gemeinwirtschaftli­ ehen Betriebe in der stabilitätspoliti­ schen Effizienz" (S. 204) fest. Interes­ sant ist bei diesem Ergebnis, daß im Durchschnitt über alle Effizienzkenn­ ziffern in 56 Prozent aller Fälle kein signifikanter Unterschied zwischen privaten und gemeinwirtschaftliehen Unternehmungen besteht. In den sta­ tistisch signifikanten Fällen schnei­ den die Privatbetriebe, abgesehen vom Nettoproduktionswert pro un­ selbständig Beschäftigtem, in allen Ef­ fizienzindikatoren im Schnitt besser ab. Diesen Befund kann man als Über­ legenheit der privaten Produktion auslegen, oder aber man kann über­ rascht feststellen, daß es trotz Einmi­ schung der Politik in mehr als der Hälfte der Fälle keinen signifikanten Unterschied zwischen privaten und gemeinwirtschaftliehen Unterneh­ mungen gibt. Die ökonometrischen Schätzungen mit dem Datensatz der OeNB führen zum Ergebnis, daß die überwiegend staatlichen Sektoren Grundstoffe und 569

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