Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 2 (2)

Weshalb wir eine eigenständige 
Makroökonomie brauchen*) 
Jürgen Kromphardt 
I. Kriterien einer eigenständigen Makroökonomie 
Stanley Fischer ( 1988) kennzeichnet in seinem Survey "Recent Devel­
opments in Macroeconomics" die makroökonomische Theorie oder 
(kurz) die Makroökonomie von ihrem Untersuchungsobjekt her, indem er 
eingangs schreibt: "The focus in this survey is on the core issue of the 
reasons for macroeconomic fluctuations and sometimes persistent unem­
ployment. "  
Solange diese Phänomene als wirtschaftspolitisches Problem angese­
hen werden, wird es eine so definierte Makroökonomie geben, und es 
wird in ihr auch weiteres Fortschreiten der Erkenntnisse geben, wie sie 
Fischer (1988,  S. 331 )  für die achtziger Jahre konstatiert { "there has been 
remarkable progress in understanding many theoretical issues") .  
In diesem Text geht es  mir aber nicht um die Makroökonomie in die­
sem weiten Sinn, sondern um eine eigenständige Makroökonomie, die 
ich ausgehend von der Methode so charakterisieren möchte: Kennzeich­
nend für die Makroökonomie ist, daß sie die Interdependenz aller ökono­
mischen Phänomene durch die Analyse der beobachtbaren Wechselwir­
kungen zwischen gesamtwirtschaftlichen Aggregaten und der Reaktion 
der Aggregate auf wichtige Schlüsselgrößen (wie Zinssatz, Renditeer­
wartungen) zu erfassen versucht und nicht durch die Postulierung fikti­
ver, nicht existierender Koordinationsmechanismen zwischen den ein­
zelwirtschaftlichen Entscheidungen. Der Einstieg über die Aggregate 
wird für notwendig gehalten, weil nur so die kreislaufmäßigen Interdep-
* Erweiterte Fassung eines Vortrages, gehalten am 2. Jänner 1 991  vor dem Arbeitskreis 
Dr.-Benedikt-Kautsky. 
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