Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 2 (2)

men oder sie modellieren explizit den Preismechanismus des Marktsy�
stems und schreiben ihm eine Perfektion zu (Stichwort: vollst�ndiges 
System kontingenter Zukunftsm�rkte), die in der Realit�t nicht zu fin�
den ist. 
Auf diese Weise kommt es zu einer erstaunlichen Asymmetrie: Viele 
Mikro�konomen bestreiten die Existenzberechtigung einer eigenst�ndi�
gen Makro�konomie, kein Makro�konom aber bestreitet die Notwendig�
keit einer eigenst�ndigen Mikro�konomie! Vielmehr betonen die Ma�
kro�konomen zweierlei: 
a) Man kann makro�konomische Fragen nicht mit mikro�konomischer 
Theorie beantworten. 
b) Die Makro�konomie kann nicht auf einer Mikro�konomie aufgebaut 
werden, die aufgrund ihrer Annahmen keinen Platz f�r gesamtwirt�
schaftliche Entwicklungen l��t, die sich aus den Kreislaufzusam�
menh�ngen und den Unvollkommenheiten der Koordination der 
M�rkte ergeben. 
Vor allem hierin liegen die Schwierigkeiten, die die keynesianische 
Makro�konomik mit der Mikrofundierung hat. Howitt (1987) charakte�
risiert diese im "New Palgrave Dictionary" in seinem Beitrag "Macro�
economics: Relations with Microeconomics" so: 
"The story of the development of macroeconomic theory beginning 
with the Keynesian Revolution is largely a story of the struggle between 
these opposing forces: the quest for a microformulation and the recogni�
tion that existing micro theory is inadequate for dealing with macro pro�
blems" (1987 ,  S. 274).  
Definiert man Makro�konomie von der Methode her, so gibt es - abge�
sehen von der klassischen National�konomie - vor allem zwei eigenst�n�
dige makro�konomische Theoriegeb�ude, die in der Nachkriegszeit eine 
gro�e Rolle in der theoretischen und wirtschaftspolitischen Diskussion 
gespielt haben: 
1 .  die keynesianische Theorie bzw. die Theorie von Keynes und 
2 .  die monetaristische Theorie, also die von Friedman wiederbelebte und 
neuformulierte Quantit�tstheorie. 
Beide Theorien untersuchen die Zusammenh�nge zwischen den wich�
tigsten gesamtwirtschaftlichen Gr��en, wie Produktion und Besch�fti�
gung, Einkommen und Preisniveau. Dabei ist es der Keynesschen Theo�
rie besonders wichtig, H�he und Schwankungen des gesamtwirtschaftli�
chen Produktionsvolumens zu erkl�ren (dies Ziel entspricht der Fischer�
sehen Zielbestimmung f�r die Makro�konomie); die zweite hingegen 
verfolgt vorrangig das Ziel, H�he und Ver�nderung des gesamtwirt�
schaftlichen Preisniveaus zu erkl�ren. 
Die neue klassische Makro�konomie ist dagegen - methodologisch ge�
sehen - keine eigenst�ndige makro�konomische Theorie; sie ist vielmehr 
ein System von Aussagen �ber gesamtwirtschaftliche Gr��en, das aus 
einem mikro�konomischen Totalmodell unter den Annahmen vollst�ndi�
ger Konkurrenz und stets preisger�umter M�rkte gewonnen worden ist. 
Sie ist daher als konkurrierendes Theoriegeb�ude zur eigenst�ndigen 
Makro�konomie anzusehen. 
143
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.