Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 2 (2)

Mit dem Monetarismus werde ich mich im folgenden nicht beschäfti­
gen; denn wenn über die Existenzberechtigung und die Zukunft einer ei­
genständigen Makroökonomie diskutiert wird, dann geht es eigentlich 
stets um die keynesianische Makroökonomie. Der Grund dafür ist darin 
zu sehen, daß die monetaristische Theorie nur eine Lücke füllt, die von 
der neoklassischen Mikroökonomie gelassen wird, nämlich die Bestim­
mung des Preisniveaus. Sie ergänzt daher die Mikroökonomie, aber sie 
widerspricht ihr nicht. 
Anders ist es mit der keynesianischen Makroökonomie, die vielen Ver­
allgemeinerungen der Mikroökonomie auf der Makroebene wider­
spricht. Daher ist die Frage von zentralem Interesse: Was wird von der 
keynesianischen Makroökonomie bleiben? Der Antwort auf diese Frage 
sind die folgenden Abschnitte gewidmet. 
II. Kriterien für die Akzeptanz makroökonomischer Theorien 
Zur Beantwortung der gestellten Frage möchte ich von der These aus­
gehen, daß die Bedeutung, die einer Theorie in der "wissenschaftlichen 
Gemeinschaft" zuerkannt wird, von zwei Faktoren abhängt: 
1 .  Auf der theoretischen Ebene zählt ihr Beitrag zur Erklärung von in 
der Realität zu beobachtenden Phänomenen. Nach Ansicht von Pop­
per ist dieses Erkenntnisinteresse sogar das Entscheidende! So 
schreibt er in der "Logik der Forschung" (8. Auflage 1984, S. 3 1) :  
" . . .  vor allem ist schließlich festzuhalten, daß dem Theoretiker an der 
Erklärung als solcher gelegen ist, d. h. an nachprüfbaren erklärenden 
Theorien, und daß ihn Anwendungen und Prognosen nur aus theoreti­
schen Gründen interessieren - weil sie zur Prüfung von Theorien ver­
wendbar sind. " 
2 .  Auf der wirtschaftspolitischen Ebene hängt ihre Akzeptanz von ihrer 
Fähigkeit ab, für die als vordringlich anerkannten aktuellen wirt­
schaftspolitischen Probleme Lösungsvorschläge anzubieten; dabei 
hängt die Anerkennung von Problemen als "vordringlich" auch von 
den dominierenden Werturteilen ab. 
Wenn dies so ist, so stellt sich die nächste Frage: Nach welchen Krite­
rien bewerten Theoretiker alternative, vorliegende Theorien? Das wich­
tigste Kriterium scheint mir die logische Konsistenz zu sein, die sich 
heutzutage in formaler Konsistenz ausdrückt. Mit diesem Aspekt be­
schäftigt sich Abschnitt III, mit der wirtschaftspolitischen Ebene Ab­
schnitt IV. 
111. Inkonsistenz in der keynesianischen Theorie und der Ansatzpunkt 
zu ihrer Überwindung 
Mißt man die Erklärungskraft einer Theorie an ihrer logischen und 
formalen Konsistenz, so schneidet die keynesianische Theorie schlecht 
ab! Das liegt meines Erachtens an zwei Dingen: Erstens haben die Key-
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