Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 2 (2)

Qualifikationen für betriebsspezifische, für höhere und höch­
ste Anforderungen. Hier gibt es Arbeitskräfteknappheit, zu 
deren Beseitigung man leider nicht Qualifizierungsmaßnah­
men und berufliche Weiterbildung ins Auge faßt. Man glaubt 
offenbar, durch zusätzliche Ausländer oder Privatisierung der 
Arbeitsvermittlung einen Ausweg finden zu können. 
Bis 1974 gab es einen regen Zustrom ausländischer Arbeits­
kräfte aus den wirtschaftlich weniger entwickelten Gebieten 
im Süden Europas in den industrialisierten Norden. Demogra­
phische Entwicklung und eine große Arbeitskräftenachfrage 
resultierten in einem Arbeitskräftemangel, der in Österreich 
vor allem durch Jugoslawen und Türken ausgeglichen wurde. 
Im Konjunkturrückschlag danach ging die Ausländerbeschäf­
tigung zurück und stagnierte anschließend, da das inländische 
Arbeitskräftepotential nunmehr wuchs und die - schwache -
Arbeitskräftenachfrage gedeckt werden konnte. 
Erst in den letzten Jahren des vergangeneu Jahrzehnts hat 
durch die günstige Konjunkturentwicklung in den westeu­
ropäischen Industrieländern die Arbeitsmigration wieder an 
Dynamik gewonnen. Diese Wanderung aus den traditionellen 
Herkunftsländern - einige, wie z. B .  Italien, sind inzwischen 
selbst das Ziel von Arbeitssuchenden aus der dritten Welt ge­
worden -wird nunmehr verstärkt von Wanderungen im Gefol­
ge der Ostöffnung. Inwieweit der starke Zustrom an ausländi­
schen Arbeitskräften und deren Familien längerfristig geeig­
net ist Probleme, die sich aus der Veränderung der Alters­
struktur der Wohnbevölkerung ergeben, zu verringern, wird 
Gegenstand eingehender Analysen sein müssen. Bisherige Un­
tersuchungen zeigen, daß Zuwanderung den Bevölkerungs­
aufbau nicht grundsätzlich ändert. Sei es, weil die Zuwande­
rung vorwiegend aus kulturell benachbarten Ländern mit ver­
gleichbarer Bevölkerungsstruktur erfolgt, sei es, weil die 
Neuankömmlinge das generative Verhalten der schon Ansäs­
sigen übernehmen. Allerdings werden die ökonomischen Kon­
sequenzen einer alternden Bevölkerung zeitlich hinausge­
schoben. Den möglichen Vorteilen einer wachsenden Bevölke­
rung wären die sozialen Kosten der Integration gegenüberzu­
stellen. 
Die gegenwärtige Diskussion um die Bundeshöchstzahl für 
die Ausländerbeschäftigung ist ein Lehrbeispiel dafür, wie 
langfristige, gesamtwirtschaftliche Zielsetzungen, planmäßi­
ges Vorgehen, soziale Verantwortung und Logik auf der 
Strecke bleiben, wenn einzelne Gruppen uneingeschränkt ih­
re Interessen verfolgen können. Bei der Novellierung des Aus­
länderbeschäftigungsgesetzes schien ein Ausländeranteil von 
10  Prozent des Arbeitskräftepotentials eine Grenze im Ein­
klang mit der demographischen Entwicklung; eine Annähe­
rung war auf mittlere Frist vorstellbar. Nach nur einem Jahr 
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