Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 3 (3)

und Jugoslawien, was auch darauf hinweisen dürfte, daß sowohl die 
zweite Generation ausländischer Arbeitskräfte als auch die Migrations­
kette eine wichtige Rolle spielen. Gleichzeitig etabliert sich in zuneh­
mendem Ausmaß ein Schwarzmarkt, der quantitativ kaum abschätzbar 
erscheint. Hier dürfte die Quelle des Arbeitskräfteangebots eher der 
Ostöffnung zuzuschreiben sein. Zunehmend ergibt sich daraus ein Ver­
drängungswettbewerb zwischen schon seit längerer Zeit beschäftigten 
"teureren" ausländischen Arbeitskräften und neu auf dem Österreichi­
schen Arbeitsmarkt auftretenden "billigeren" Ausländerinnen und Aus­
ländern. 
Dies hat eminente lohn- und strukturpolitische Auswirkungen. Zum 
einen entstehen die neuen Arbeitsplätze, die vor allem mit Frauen und 
ausländischen Arbeitskräften besetzt werden, vorwiegend in struktur­
schwachen Niedriglohnbereichen. Zum anderen gelingt es auch in der 
Industrie, trotz deutlicher Erhöhung der Tariflöhne, nicht, die gute Kon­
junktursituation voll in die Entwicklung der Effektivlöhne umzusetzen. 
Die 1990 erstmals wieder negative Lohndrift, die sich in bestimmten 
Problembranchen, wie etwa der Bauwirtschaft, deutlich manifestiert, 
zeigt mit dem relativ geringen Wachstum der Produktivität die struktur­
politische Problematik dieser Entwicklung auf. Der traditionelle 
Schwachpunkt der Österreichischen Wirtschaftssituation, nämlich der 
irrfolge extrem hoher Lohndifferentiale und eines ausgebauten Subven­
tionssystems gespaltene Strukturwandel, wird durch die dargestellte 
Entwicklung am Arbeitsmarkt noch betont. Konnten bisher hohe Raten 
des Wirtschaftswachstums meist für Strukturverbesserungen genutzt 
werden und brachte sie eine Machtverschiebung zugunsten der Arbeit­
nehmerseite, so ist die spezifische Kombination von Nachfrage- und An­
gebotsschocks zwar durch eine weitere Dynamisierung von Wachstums­
und Beschäftigungssteigerungen gekennzeichnet, zum anderen aber 
durch eine Schwächung der Gewerkschaften und einen geringeren 
Druck zum StrukturwandeL Die lohnpolitische Strategie einer, auch al­
lokationspolitisch orientierten, raschen Erhöhung der Mindestlöhne 
bleibt aber dennoch von zentraler mittelfristiger gesamtwirtschaftlicher 
Bedeutung. Voraussetzung für die erfolgreiche Implementation einer 
derartigen Strategie werden aber verschärfte Kontrollen lohnpolitischer 
und arbeitsrechtlicher Standards sein, ebenso wie sie wohl auch ein In­
strument für eine Politik gegenüber dem derzeitigen Hauptproblem des 
Arbeitsmarktes, dem raschen Entstehen von Schwarzmärkten, sein müs­
sen. Diese Schwarzmärkte müssen, sowohl im Interesse der inländischen 
und ausländischen legal beschäftigten Arbeitnehmer als auch wegen der 
unhaltbaren sozialen Situation für die illegal beschäftigten Arbeitneh­
mer, bekämpft werden. 
Unsere Analyse hat gezeigt, daß das zusätzliche ausländische Arbeits­
angebot die hohen Wachstumsraten in der Österreichischen Export- und 
Wachstumsentwicklung erst ermöglicht hat, zum anderen aber auch Al­
lokations- und Verteilungsprobleme verschärft hat. Wichtig ist für uns 
aber auch klarzustellen, daß Regulierungserfordernisse am Arbeits­
markt nicht von Entwicklungen gesamtwirtschaftlicher und gesamtge-
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