Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 4 (4)

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Private 
Arbeitsvermittlung 
IREKE GELDNER 
Eine noch unveröffentlichte, für ILO 
und EG gemeinsam erarbeitete Studie 
untersucht. den Einfluß von privaten 
Firmen auf die Funktionsweise von 
Arbeitsmärkten in den 12 EG-Lün­
nern'. Ausgehend von 12 Ländermono­
graphien werden nicht nur die institu­
tionellen Gegebenheiten der nationa­
len Arbeitsmärkte beschrieben, son­
dern es wird auch deren historische 
Entwicklung dargestellt. Veränderun­
g_en der Rahmenbedingungcn, die 
Ubernahme 7.USätzlicher Funktionen 
durch die öffentliche Arbeitsvermitt­
lung sowie die Ausgliederung der Per­
sonalanwerbung aus Unternehmen 
haben die Funktionsweise von Ar­
beitsmärkten verändert. Ziel der Stu­
die ist es, Anforderungen zu fonnulie­
ren, unter denen die in den einzelnen 
Ländern sehr unterschiedlichen priva­
ten Vermittlungsfirmen eine Aufgabe 
im gemeinsamen Binnenmarkt erfül­
len können. 
In Österreich steht die Zulassung 
privater Arbeitsvermittler für Füh­
rungskräfte bevor, in weiterer Folge 
soll es private Arbeitsvermittler für al-
le Arbeitnehmer geben. In der tages­
politischen Diskussion wird einerseits 
eine Konkurrenzierung der öffentli­
chen durch die private Arbeitsvermitt­
lung, andererseits eine größere Effizi­
enz der privaten Vermittlung unter­
stclll. Die empirischen Belege der zi­
tierten Stuclie zeigen ein anderes, sehr 
komplexes Bild. 
Im Laufe des 19. Jahrhunderts wur­
den die damals ausschließlich beste­
henden privaten Arbeitsvermittlungen 
von der Arbeiterbewegung beschul­
digt, Menschenhändler zu sein, ihre 
Abschaffung wurde gefordert. Diese 
Forderung fand ihren Niederschlag in 
mehreren ILO-Konventionen betref­
fend die entgeltliche Arbeitsvermitt­
lung. Letztlich wurde mit der Konven­
tion Nr. 9ö den Mitgliedstaaten die 
Wahl gelassen, entweder alle entgeltli­
chen Vermittlungsagenturen sukzessi­
ve abzuschaffen (Teil II) oder sie zu re­
gulieren (Teil III). Je nachdem, ob ein 
Land Teil II oder Teil lii ratifi?:iert, 
bzw. die Konvention nicht ratifiziert 
hat, sind in dem betreffenden Land 
nunmehr entgeltliche Arbeitsvermitt­
ler zugelassen oder nicht. Großbritan­
nien, Dänemark und Griechenland ha­
ben die Konvention 96 nicht ratifi­
ziert, Irland und Portugal Teil III und 
alle anderen EG-Länder Teil IP. 
Wie später gezeigt wird, werden un­
ter privater Arbeitsvermittlung eine 
Reihe von unterschiedlichen Aktivitä­
ten zusammengefaßt. Wirtschaftliche 
Aktivitäten, die im Zuge einer fort­
schreitenden Arbeitsteilung auch lau­
fend neu entstehen. Allerdings gibt es 
durchaus Meinungsnnterschiede, ob 
eine bestimmte Tätigkeit a1s entgeltli­
che Arbeitsvermittlung aufzufassen ist 
oder nicht. So hat die TLO 1 965 auf 
Anfrage Schwedens Zeit(Lcih)arbeits­
firmen (teroporary work agencies) als 
545
        

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