Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 4 (4)

private Arbeitsvermittler definiert, ei­
ne Meinung, der sich z. B. die französi­
sche Regierung nicht angeschlossen 
hat. 
Ging es vorerst nur darum, Arbeits­
vermittlung unter öffentliche Kontrol­
le zu stellen, so wurden Arbeitsmarkt­
behörden nach dem Zweiten Weltkrieg 
auch Initiatoren und Träger beschäfti­
gungspolitischer Maßnahmen zur Si­
cherung von Vollbeschäftigung und 
sozialem Fortschritt. Mit wachsender 
Kritik am Keynesianismus und an 
bürokratischen Versteinerungen und 
mit zunehmender Vorliebe für Dere­
gulierungen, wird auch die Effizienz 
öffentlicher Arbeitsvermittlung be­
zweifelt und viel Hoffnung auf private 
Arbeitsvermittlung gelegt. Es war da­
her ein Anliegen von ILO und EG, den 
wachsenden Einfluß der privaten Ar­
beitsvermittlung auf das Funktionie­
ren der Arbeitsmärkte während der 
letzten zwanzig Jahre zu messen und 
zu erklären. 
Arten privater Arbeitsvermittler (pri­
vate employment agencies) 
In der vorliegenden Studie wird als 
private Arbeitsvermittlung ein legales 
Unternehmen oder eine legale Organi­
sation bezeichnet, welche Arbeitneh­
mern helfen Arbeit zu finden und Un­
ternehmen bei der Anstellung von Ar­
beitnehmern beraten. Es spielt in die­
sem Zusammenhang keine Rolle, ob 
zusätzliche Dienstleistungen, wie z. B .  
Berufsberatung oder Mobilitätshilfen 
angeboten werden. Ein solcher Dienst­
leistungsbetrieb gilt als privat, wenn 
er nicht von jenem Ministerium betrie­
ben wird, welches für öffentliche Ar­
beitsvermittlung zuständig ist. Es 
werden also auch Organisationen zur 
privaten Arbeitsvermittlung gezählt, 
die von der Regierung errichtet wur­
den oder subventioniert werden. Die 
Definition umfaßt ebenso Betriebe, die 
im strengen Sinn zwar keine Vermitt-
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ler sind, aber zur Organisation des Ar­
beitsmarktes durch Allokation von 
Arbeitskraft beitragen. Während Ver­
mittler sowohl auf entgeltlicher als 
auch auf unentgeltlicher Basis tätig 
sein können, bieten Quasi - Vermittler 
ihre Dienste nur gegen Entgelt an. 
Hier ist an Firmen zu denken, die Zeit­
arbeit oder Leiharbeit anbieten, sich 
mit Outplacement (Vermittlung von in 
einen Unternehmen nicht mehr benö­
tigten Arbeitnehmern), Firmenbera­
tung und Beratung von Arbeitneh­
mern bei der Arbeitssuche beschäfti­
gen. 
Für den internationalen Vergleich 
wird in der Studie eine Typologie der 
Privatvermittler in zwei Kategorien 
entwickelt: 
Kategorie A: Vermittlungsfirmen 
A 1 Firmen, deren einzige (oder 
Haupt-)Aufgabe die Vermittlung 
ist, die nach Gewinn streben und 
für alle Qualifikationen und Be­
rufe tätig werden. 
A 2 Wie Al, nur werden diese Firmen 
für spezielle Qualifikationen, Be­
rufe oder Personengruppen tätig 
A 3 Wie Al, aber ohne Gewinnstreben 
A 4 Wie A2, aber ohne Gewinnstreben 
A 5-A 8 Entsprechen den Kategorien 
A 1 bis A 4, nur ist Vermittlung 
nicht die Hauptaufgabe. 
Kategorie B: Firmen, die Quasi-Ver­
mittlung oder der Vermittlung ver­
wandte Tätigkeiten als Haupt- oder 
Nebentätigkeit betreiben. 
B 1 Zeitarbeitsfirmen 
B 2 Leiharbeitsfirmen 
B 3 Outplacementfirmen 
B 4 Firmen, die Arbeitnehmern Hilfe 
bei oder Training in Techniken 
zur Arbeitssuche anbieten. 
B 5 Firmen, die Unternehmen in 
Techniken zur Personalauswahl 
schulen. 
B 6 Firmen, die bei Personalauswahl, 
Einstellung und Personalmanage­
ment beraten.
        

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