Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 4 (4)

BÜCHER 
FORTSCHRITT ZWISCHEN 
BEJAHUNG UND SKEPSIS 
Rezension von: Heinz Kienzl, Wir be­
jahten den Fortschritt. Die Wirt­
schaftspolitik des ÖGB, Verlag des 
ÖGB, Wien 1991 ,  1 12 Seiten, öS 228,-
1975 hat Heinz Kienzl aus Anlaß des 
in diesem Jahr stattfindenden 8. ÖGB­
Bundeskongresses eine Broschüre mit 
dem Titel "Gesellschaft am Wende­
punkt'" veröffentlicht. Darin setzte er 
sich mit den neuen Fragen der Wirt­
schafts- und Gesellschaftspolitik bei 
sinkenden Wachstumsraten auseinan­
der, wobei er besonders intensiv auf 
die damals brandaktuelle Diskussion 
über die "Grenzen des Wachstums" 
einging. 1991 ,  also sechzehn Jahre da­
nach, und wiederum aus Anlaß des 
ÖGB-Bundeskongresses, hat Heinz 
Kienzl neuerlich seine Gedanken zur 
Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik 
in Buchform präsentiert. In seinem 
neuen Buch geht es um eine Analyse 
der Entwicklung von Wirtschaft und 
Gesellschaft in den letzten eineinhalb 
Jahrzehnten sowie um eine kritische 
Bewertung der Erfahrungen der Wirt­
schaftspolitik in diesem Zeitraum. 
Kienzl zitiert dabei ausführlich aus 
seinem älteren Buch - sonderbarer­
weise, ohne dessen Titel zu erwähnen ­
und konfrontiert seine Einschätzun­
gen von damals mit der tatsächlichen 
Entwicklung. 
Mit Befriedigung stellt der Autor 
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fest, daß er mit seiner Kritik am Zu­
kunftspessimismus, der von vielen So­
zialwissenschaftlern aus den damals 
hoch im Kurs stehenden "Weltmodel­
len" abgeleitet wurde, recht behalten 
hat. Auch wenn es im Verhältnis von 
Wirtschaft und natürlicher Umwelt 
noch viele ungelöste Probleme gibt, so 
zeigen die heute erkennbaren Wirkun­
gen einer Vielzahl von umweltpoliti­
schen Maßnahmen, daß der wissen­
schaftlich-technische Fortschritt bei 
entsprechendem Einsatz wirtschaftli­
cher Ressourcen in der Lage ist, ge­
fährliche Entwicklungen abzuwenden 
und Verbesserungen der Umweltsitua­
tion zu erreichen - nicht nur ohne ei­
nen "Ausstieg aus der Industriegesell­
schaft" ,  sondern auch bei weiterer 
Steigerung des Lebensstandards. Das 
Haupthindernis für eine konsequente 
Umweltpolitik sieht Kienzl in der 
grün-alternativen Bewegung selbst, 
die mit ihren Bürgerinitiativen gegen 
so gut wie jedes Projekt der Müllent­
sorgung, des Recycling von Altmate­
rial, des Kraftwerksbaus, des Eisen­
bahnhaus usw. gerade jene Maßnah­
men blockiert und oft auch verhindert, 
welche zur Lösung der Probleme ge­
setzt werden müßten. 
Wenn dieses Thema auch im neuen 
Buch Heinz Kienzls einen wichtigen 
Platz einnimmt, so gilt sein Hauptin­
teresse einerseits den wirtschaftspoli­
tischen Fragen, welche sich aus heuti­
ger Sicht international und auch in 
Österreich neu oder anders stellen als 
1975,  und auch den gesellschaftspoli­
tischen Veränderungen. 
Hinsichtlich der wirtschaftspoli­
tischen Grundsatzentscheidungen 
blickt Kienzl zurück in die unmittel­
bare Nachkriegszeit und erinnert an 
die damaligen Diskussionen über 
Markt- und Planwirtschaft bzw. über
        

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